Ich war heute Morgen in einer 5. Klasse eines Osnabrücker Gymnasiums, um mit den Schülerinnen und Schülern darüber zu reden, wie man die Menschen aufs Fahrrad und Autos aus der Stadt rausbekommt. Hintergrund ist ein Umweltprojekt der Klasse, das das Einsparen von CO2 zum Ziel hat. Die eine Hälfte der Klasse will den Plastikverbrauch reduzieren, die andere beim Verkehr ansetzen.

Das Grundproblem des zu hohen CO2-Ausstoßes haben die Kids sehr gut verstanden. Das Auto haben sie als einen Hauptverursacher ausgemacht. Also wollen sie die Menschen in Osnabrück zum Radfahren bewegen. Aber wie macht man das? Hier sollte ich mit ihnen Möglichkeiten diskutieren. Das läuft natürlich anders, als bei anderen Diskussionen. Mit Statistiken und trockener Theorie kommt man da nicht sehr weit. Ich war zunächst überrascht, wie selbstverständlich sie die Gegebenheiten im Verkehr hinnehmen – dass es wenig Radwege gibt, dass Städte aufs Auto ausgerichtet sind. Daran zu rütteln, kam ihnen zunächst gar nicht in den Sinn.

In erster Linie wollen sie Aufklärungsarbeit betreiben. Ein Zeitungsartikel erscheint ihnen da am aussichtsreichsten. Aber auch Flyer, Poster und Plakate mit den Folgen des Klimawandels sollen überzeugen. Da das meiner Erfahrung nach leider nicht reicht, habe ich sie erst mal nach den Vorteilen des Radfahrens gefragt. Ergebnis:

  • Kein CO2-Ausstoß, (vereinfacht) auch nicht bei E-Bikes.
  • Man steht mit dem Fahrrad nicht im Stau.
  • Radfahren ist gleichzeitig Sport und somit gesund.

Dann die Frage, warum sie oder ihre Eltern mit dem Auto und nicht mit dem Fahrrad fahren, obwohl sie doch alle in der Stadt wohnen. Klar, mit dem Auto könne man mehr transportieren, momentan sei es zu kalt, um Fahrrad zu fahren (ungläubiges Staunen, als ich meinte, dass ich auf dem Weg zur Schule ganz schön geschwitzt habe), im Auto sei es trocken und warm usw. Durch Nachfragen kamen dann aber auch Gründe wie „mit dem Fahrrad zu gefährlich auf der Straße“, kein Radweg da usw.

Wir könnten eine Besprechung mit dem Oberbürgermeister machen und ihn um seine Erlaubnis für mehr Fahrradwege fragen.

Was kann man also wirklich machen? Das ist ja die entscheidende Frage des Projekts. Wie gesagt, in erster Linie wollen sie Aufklärungsarbeit leisten, Verbote kommen ihnen – erfreulicherweise – gar nicht in den Sinn. Bei Vorschlägen wie „VW sagen, dass sie ihre Autos so teuer machen sollen, dass sie keiner mehr kauft“ musste ich ihnen natürlich kurz die Aussichtslosigkeit erklären.

Nach einem kleinen Brainstorming kamen aber Ideen wie breite Radwege (mit Stahlbegrenzung zum Autoverkehr), Rabattaktionen für Kunden, die mit dem Fahrrad kommen (dann aber gleich die Frage, was mit Rollstuhlfahrer ist), Fahrradtage an ihrer Schule und, das habe ich mitgeschrieben, weil ich es im Falle Osnabrücks so bezeichnend finde, schmunzeln musste und die Kids von ganz alleine drauf gekommen sind: „Wir könnten eine Besprechung mit dem Oberbürgermeister machen und ihn um seine Erlaubnis für mehr Fahrradwege fragen.“



Ich nehme aus diesem Gespräch auf jeden Fall mit, dass Kinder schon sehr früh geprägt werden – auch in Hinsicht auf die vorherrschenden Verkehrsverhältnisse und ihre eigene Mobilität. Fahren ihre Eltern und die Gesellschaft insgesamt in erster Linie Auto, ist das für sie der Normalzustand. Das ist jetzt vielleicht nicht sehr überraschend, aber wenn man die Erkenntnis aus dem direkten Gespräch mit Kindern zieht, versteht man es vielleicht noch mal ein bisschen besser und bestärkt einen darin, dass sich die Verhältnisse grundlegend ändern müssen.

Also lautet auch für mich die Frage weiterhin: Wie bekommen wir die Menschen aufs Fahrrad und die Autos aus der Stadt? Da gibt es natürlich schon gute und funktionierende Ideen. Nur bin ich leider nicht der, der sie umsetzen kann.

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