Erst kritisiert Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer Radfahrer als Kampfradler, auch wenn er sich zugute hält, nur zitiert zu haben, und jetzt spricht der Präsident des Verkehrsgerichtstages Kay Nehm von Rüpelradlern, die sich nicht an Verkehrsregeln hielten.

Zunächst einmal muss die Sippenhaft verurteilt werden, in die zumindest Kay Nehm die Radfahrer nimmt. Denn der Anteil der Radler, der rote Ampeln missachtet oder regelmäßig auf der falschen Straßenseite fährt, liegt im einstelligen Prozentbereich. Kein Grund also DIE Radfahrer in eine Schublade zu stecken.

Das Problem der immer schärfer werdenden Debatte liegt nämlich ganz woanders. Es findet ein Lagerkampf statt. Autofahrer gegen Radfahrer, eine asymmetrische Konkurrenzsituation, die jetzt immer sichtbarer wird, wo immer mehr Menschen mit dem Rad unterwegs sind. Autos und Fahrräder sind in Deutschland keine gleichberechtigten und gleichermaßen geförderten Verkehrsmittel. Sie konkurrieren. Und auf der Straße, wo die Konkurrenten aufeinandertreffen, kann diese Konkurrenz dann eben manchmal auch zu einem gefühlten Kampf werden. Beide Verkehrsteilnehmer begegnen sich nicht auf Augenhöhe. Das liegt schon allein am schützenden “Blechpanzer”, den der Autofahrer um sich weiß. Das Fahrrad ist chronisch unterlegen, das Auto immer stärker. Diese Asymmetrie versucht der Radfahrer hier und da auszugleichen, zum Beispiel durch die Missachtung von Ampeln oder die Abkürzung über Gehwege. Als Antwort ätzt und hupt der Autofahrer im besten Fall oder lässt die Muskeln spielen, indem er Wege eng macht oder beim Überholen zeigt, wer der Stärkere ist.

Die Politik muss jetzt zweierlei tun: Zum einen muss sie den Autofahrern, die es noch nicht verstanden haben, klarmachen, dass Radfahrer gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer sind, auf die es zu achten gilt. Regelkunde wäre hier hilfreich, denn viele wissen einfach nicht, dass Radfahrer auf der Fahrbahn fahren dürfen, solange kein blaues Schild am Radweg steht.

Zum anderen muss die Politik auf die steigende Zahl der Radfahrer reagieren und für eine Infrastruktur sorgen, die ein Gefühl der Sicherheit gibt. Wie diese aussieht, darüber kann und wird auch unter Radfahrern gestritten. Die einen wollen abgetrennte Radwege, die anderen vollwertiges Fahren im Verkehr. Für beide Varianten gibt es gute Argumente. Möglicherweise ist es am Ende egal für welche Variante man sich entscheidet, solange sie konsequent umgesetzt wird.

Bis wir soweit sind, sollten alle Beteiligten einen Gang runterschalten und möglichst aufmerksam und gelassen bleiben!

In Auszügen auch erschienen in DIE ZEIT (14. Februar 2013), Süddeutsche Zeitung (11. Februar 2013) und ZEO2 (12. März 2013).

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