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Osnabrück Radverkehr

„Aktion Sicherheitsabstand“ vorgestellt

Der Sicherheitsabstand beim Überholen von Radfahrerinnen und Radfahrern ist und bleibt ein wichtiges Thema. Ich habe hier im Blog schon mehrfach darüber geschrieben und auch selbst ein kleines Sharepic erstellt. Und auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer scheint das Problem erkannt zu haben. Schließlich findet es sich in seinen Vorschlägen für einen besseren Radverkehr wieder. Er will den einzuhaltenden Abstand von 1,5 Metern innerorts und 2 Metern außerorts gesetzlich festschreiben lassen. Wann und ob das wirklich so kommt, ist aber weiterhin offen.

Daher haben das Aktionszentrum 3. Welt, die Lokale Agenda 21 und der Verkehrsclub Deutschland (VCD) in Osnabrück nun die „Aktion Sicherheitsabstand“ gestartet. Denn: „Der Klimaschutz verlangt eine Verkehrswende und damit eine Stärkung des Umweltverbundes. Das Radfahren ist oft sehr gefährlich, weil beim Überholen der Sicherheitsabstand durch Kraftfahrzeuge in vielen Fällen unterschritten wird. Mit der Aktion wird daran erinnert und dafür geworben, dass bestehende Regeln beachtet werden.“ Denn auch bisher gilt durch verschiedene Gerichtsurteile faktisch ein Mindestüberholabstand von 1,5 Metern zu Radfahrenden. Nur hält sich kaum jemand dran.

Das Osnabrücker Bündnis hat zum Zwecke der Aufklärung nun Wimpel fürs Fahrrad und Info-Postkarten entworfen und heute im Rathaus vorgestellt. „Neue Radwege bauen, die Radstreifen breiter machen und die Autofahrten reduzieren – das alles geht nicht von heute auf morgen“, erklärte Elisabeth Michel, die Sprecherin der Lokalen Agenda 21. „Aber wir können das Radfahren sicherer machen, wenn wir wieder ein Verhalten in Erinnerung rufen, das jeder in der Fahrschule gelernt hat.“




Reinhard Stolle vom Aktionszentrum 3. Welt bedauerte die zunehmende Aggressivität im Straßenverkehr: Wir haben einfach zu viele Autos, und diese werden immer größer. Wenn ich mit dem Auto fahre, habe ich einen um ein Vielfaches höheren Flächenbedarf als bei Nutzung jedes anderen Transportmittels.“ Er habe täglich mit dem Rad auf dem Weg zur Arbeit einige „Nahtoderlebnisse“ auf der Lotter Straße, wenn „Freizeitpanzer“, aber auch kleinere Fahrzeuge in knappem Abstand fast seinen Lenker mit dem Außenspiegel berührten. Wer sich mit 15 Kubikmeter umbautem Raum aus Blech auf die Straße begebe und Wege fahre, die auch anders zurückgelegt werden könnten, verhalte sich nicht sozialverträglich. „Vielleicht sollte man den Begriff ‚Sozialschmarotzer’ mal in dieser Perspektive verwenden“, meinte Stolle.

Für den VCD erklärte Thomas Polewsky, es müsse vorrangiges Ziel sein, den vorhandenen Verkehrsraum neu aufzuteilen, und zwar zugunsten des Umweltverbundes. „Mit unserer Aktion schaffen wir das unmittelbar noch nicht. Da reklamieren wir jetzt nur für den einzelnen Radler den Freiraum, der ihm seit Bestehen der Straßenverkehrsordnung zusteht. Aber wenn jetzt einige Leute sich wieder eher aufs Rad trauen, weil Sicherheitsabstände und Rücksichtnahme sich erhöhen, könnte sich der Verkehrsmix Zug umd Zug verändern.“ Auch wies Polewsky darauf hin, dass Autos eine Bremse haben und Radfahrer nicht immer und überall sofort überholt werden müssten.

Wo gibt es das Kampagnenmaterial?

Wimpel und Postkarten gibt es im Weltladen in der Bierstraße 29. Die Wimpel werden gegen eine Schutzgebühr von 50 Cent abgegeben, die Postkarten in „haushaltsüblichen“ Mengen. Gruppen und Organisationen können auch größere Kontingente in Kommission nehmen. Die Postkarten sollen auch Speditionen, Bau- und Handwerksbetrieben, Busfirmen und Taxiverbänden überreicht werden. Geplant sind auch Stände auf Wochenmärkten.

Um das Problem des zu geringen Überholabstandes nachhaltig in den Griff zu bekommen, braucht es aus meiner Sicht allerdings die passende Infrastruktur. Wo immer möglich, sollten geschützte Radwege angelegt werden, damit es zu Überholkonflikten gar nicht erst kommen kann. Wo dafür kein Platz ist und Radfahrer sich die Fahrbahn mit Autos teilen, sollte auf der einen Seite Tempo 30 angeordnet sein und auf der anderen Seite sollten sich Radfahrer auch nicht an den Rand drängen lassen. Fahren sie zu weit rechts, lädt das Autofahrer ein, trotz Gegenverkehrs zu überholen. Dann natürlich mit viel zu wenig Abstand.

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