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Links der Woche

Links der Woche #187

Passend zum langen Wochenende gibt es eine lange Linkssammlung. Einen unbedingten Lesebefehl erteile ich für den Text über die deutsche Binnenschiffahrt bei Le Monde diplomatique. Abseits der Öffentlichkeit scheint es hier einen riesigen Klüngel zu geben, der mit Milliarden an Steuergeldern gefüttert wird. Ebenfalls sehr interessant ist der Text „Darf’s noch ein bisschen Teer sein?“ über die Verkehrspolitik der CSU-Minister. Die Hände über den Kopf schlagen kann man nur über das Sanduhrparken in Cloppenburg, womit massive Anreize gesetzt werden, noch öfter das Auto statt das Fahrrad oder die eigenen Füße zu nutzen. Und dann ist noch ein Off-Topic-Beitrag zu den Verflechtungen eines CDU-Bundestagsabgeordneten mit der Agrarlobby dabei. Warum ist sowas möglich? Ich finde das skandalös. Euch jetzt aber viel Spaß bei der Lektüre und schöne Pfingsten.

Ausweitung der Fahrradstaffel (taz)

Aufatmen in Paris (Süddeutsche Zeitung)

Grünes Wachstum ist eine Illusion (der Freitag)

SC Urania: Frauen lernen Fahrrad fahren (NDR)

Im Geflecht der Agrarlobby (Süddeutsche Zeitung)

Darf’s noch ein bisschen Teer sein? (ZEIT Online)

Kann Andreas Scheuer Radverkehr? (Riffreporter)

Falschparker stressen Stadtbewohner (Riffreporter)

Verkehrswende: Von den Dänen lernen (ZEIT Online)

Kaum ein Schiff wird kommen (Le Monde diplomatique)

„Falschparken ist kein Kavaliersdelikt“ (Deutschlandfunk)

Wenn Raser von Kindern Saures bekommen (ZEIT Online)

Sanduhr statt Parkschein ist ein voller Erfolg (Tagesspiegel)

Düsseldorf bekommt „Umweltspuren“ (Süddeutsche Zeitung)

Electric Scooter Charger Culture Is Out of Control (The Atlantic)

Weltfahrradtag: „Wir brauchen den Systembruch“ (Deutschlandfunk)

Scheuer: Bahn soll mehr für Klimaschutz tun (Frankfurter Allgemeine)

Künstliches Schlagloch soll in Hanau Raser ausbremsen (Hessenschau)

Städtetag: Bei Verkehrswende klotzen statt kleckern (Süddeutsche Zeitung)

„Städte dürfen nicht zu Autobahnen mit angebauten Häusern werden“ (Deutschlandfunk)

Fahrrad“schnell“wege: ja – Auf Kosten von Grün und grünen Fußwegen: nein! (NaturFreunde Berlin)




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19 Antworten auf „Links der Woche #187“

@Martin: Die E-Mofas werden ebenso wie seinerzeit die Benzin-Mofas frisiert, nur daß dies vielleicht noch einfacher ist. Für Burkhard Stork ist das ein „Megaproblem“. Ob ihm das schlaflose Nächte bereitet?

@Thomas Danke! Klingt wie ein schlechter Witz. Hat der Mann keine anderen Probleme? Gott sieht alles und bestraft das Frisieren von Pedelecs hart aber gerecht.

@Alfons Krückmann: 07:18 ist Dir nicht aufgestoßen? In den Niederlanden hat man nicht die Autofahrten durch Fahrradfahrten ersetzt, sondern Fahrten mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Modalsplit des MIV ist in niederländischen Städten in der Regel höher als in deutschen. Der Mann redet ziemlich viel Blech. Das kann man ihm nicht verdenken, schließlich hat er das studiert.

Die so logisch erscheinende Gleichung „Mehr Radwege = mehr Radfahrer = weniger Autofahrer“, die dahintersteht, wird zwar allerorten und bei jeder Gelegenheit heruntergebetet, sie wird davon aber nicht richtiger. Der Versuch, Autofahrer mit Radwegen aus ihrer Blechkiste zu holen ist, als ob man einem Heroinsüchtigen Vollkornbrot als Ersatz anböte.

Mir ist da Etliches aufgestoßen, wie immer wenn der Herr Theologe sich zu verkehrspolitischen oder gar verkehrswissenschaftlichen Fragen äussert.
Rad ist Kurzstrecke, ‚lets go dutch‘, etc, etc,
Bewährtes Marketingrezept: immer das Gleiche sagen möglichst oft auf möglichst vielen Kanälen.
Was den Niederlande-Jubel angeht hast Du natürlich recht. Relativ autoarmen Innenstädten und relativ autoarmen Quartieren stehen klar negative Basisdaten gegenüber.
Fahrleistungen (KFZ) in den Niederlanden sind aktuell wieder gestiegen. Die Hoffnung, dass sich die beinahe-Stagnation von 2014/2015 stabilisiert war leider ein Trugbild. Die Autofahrleistung steigt dort unverdrossen an, ebenso wie der Geschäftszweig ‚Radwegeplanung/Radwegebau/Radwegeconsulting‘.
2005 = 91,5 Mrd. Kilometer
2010 = 94,5 Mrd. Kilometer
2015 = 97,0 Mrd. Kilometer
2017 = 98,0 Mrd. Kilometer
Autodichte steigt übrigens auch an.

Es wär natürlich sehr praktisch, wenn es denn Länder gäbe,wo wir sagen können: „Da geht der Autoverkehr und der motorisierte Strassenverkehr runter, lasst uns das doch nachmachen.“ Das spart die Entwicklung eigener Konzepte, es kann auf bestehende bereits ausgearbeitete Marketingstrategien zurückgegriffen werden (copy-paste der offiziellen NL und DK ‚Fahrrabbotschaften‘ + Consultingagentur des dänischen Fotografen, ‚lets go dutch‘ Marketingpakete). best practice, und so weiter …

Leider gibt es diese Länder mit sinkendem motorisierten Strassenverkehr nicht – zumindest sind mir keine bekannt.

Das bequeme Copy-paste wird aber trotzdem gemacht, Klimafreundichkeit wird behauptet statt belegt, es wird in großem Maßstab ‚cherrypicking‘ betrieben und – was ich wirklich fatal finde – es wird auch den vielen Tausend jungen Leuten, die Mut und Power haben endlich gemeinsam was gegen den Klimawandel zu unternehmen suggeriert, dass das diese populistischen Übernahmen von NL-Konzepten unser grundlegendes verkehrspolitisches Desaster lösen könnten. Das Gegenteil ist doch der Fall.

In der realen Welt – abseits der ADFC/Radentscheid Marketingblasen – erleben wir die Vorbereitung der nächsten großen Welle von Automobilismus.
Falls die Agenda der „Hindernisfreien Fahrbahn“ ala BMW/ADAC/ADFC/Radentscheid so durchgezogen wird, und danach sieht es ja aus, sind wir auf dem besten Weg in 5-15 Jahren weitere wirklich gigantische Steigerungen des Autoverkehrs zu erleben.
https://www.tagesanzeiger.ch/wissen/technik/ETH-Selbstfahrende-Autos-fuehren-in-der-Schweiz-zu-mehr-Verkehr/story/30388725
Der neue Trend zum Separationsdogma passt sich perfekt in diese Szenarien ein.
Selbst so eigentlich positive Dinge wie Cargobikes werden im Rahmen der neuen autogerechte Fahrradförderung mit ihrer Separationsdogmatik zur Erhöhung der Fahrbahnkapazitäten des motorisierten Strassenverkehrs eingesetzt, indem die letzte Meile des zunehmenden Lieferverkehrs ausgerechnet auf Rad- und Gehwege verlagert wird.
Konsequenterweise werden denn auch die Radschnellverbindungen nicht mehr vom Autoverkehr abgezwackt, sondern stattdessen durch Wälder und Naherholungsräume geführt, was natürlich – oh Wunder – die Fahrbahnkapazitäten und Reisezeiten für den Kraftverkehr verbessert.
Es wird dann zynischerweise wohl heissen TROTZ der Radwegeförderung ist die Autoverkehrsleistung durch die Decke gegangen.

Kurzstrecke aufs Rad, dann würde ja auch der Autoverkehr für die, die drauf angewiesen seien verbessert, so die Losung von Stork.
Ja, nur dass halt in der realen Welt 40 Millionen Deutsche „auf den Autoverkehr angewiesen“ sind oder zu sein glauben).
Da ist er immerhin ehrlich, aber WER BRAUCHT VERSTÄRKTE STEIGERUNGEN DER FAHRLEISTUNG DES AUTOVERKEHRS?
Was Viele immer noch nicht begreifen wollen: die oft fälschlich zum eigentlichen Skandal erhobenen Fahrten unter 2KM sind in erster Linie disfunktional für den Autoverkehr selbst, indem sie Begrenzer für die längeren Fahrten darstellen.
Das ökologische Problem sind NICHT die Kurzstrecken, sondern die längeren Fahrten, welche in Länge und Häufigkeit zunehmen, nicht die vielen kleinen ökologisch weitgehend irrelevanten Kurzstrecken, auf die sich jetzt absurderweise alle Radweg-Marketing-claims einschiessen.
Die Fixierung auf Kurzstrecken erinnert stark an den Betrunkenen, der seinen verlorenen Schlüssel unter der Laterne sucht – nicht weil er diesen dort verloren hätte, sondern weil dort Licht ist.
Etwas pointiert gesagt:
der gehobene Mittelschichtsnachwuchs setzt sich jetzt mit Verve für ‚liveable City‘ ein, scheissegal ob dabei die Klimaproblematik verschärft wird und die Mietsteigerungen weiter angeheizt werden. Hauptsache im eigenen Alltag sind die Autos stets ein paar Armlängen entfernt und man hat genug Geld zur Verfügung sich ein ruhiges Plätzchen im jeweils angesagten autoarmen Hipster Quartier zu suchen.
Falls die Kohle nicht reicht kann man ja einfach ins florierende Radwegeconsulting mit Büchern, Vorträgen, Schulungen und Marketingkampagnen einsteigen, um das mal etwas bösartig zu formulieren oder man wechselt vom Radentscheid direkt in die Senatsverwaltung, plant dort autofreundliche Radwege und legt für den Radverkehr zusätzliche Asphaltbänder durch die Wälder ins Umland.

@Alfons Krückmann: „Leider gibt es diese Länder mit sinkendem motorisierten Strassenverkehr nicht – zumindest sind mir keine bekannt.“

Venezuela?

Venezuela eher nicht, da ist der Sprit zu billig.
Jemen? Mag sein, aber wird durch Militärfahrzeuge etc. zunichte gemacht.

Immerhin seit 1973 stark sinkender Autoverkehr auf dem Mond, ist aber kein Land, und es waren ja bis dahin auch erst ca. 5 Autos dort.
Seit kurzem ist aber selbst aufm Mond wieder ‚Verkehrswende‘ angesagt (China mit 2 Autos seit 2013).
Auf dem Mars wohl auch bald steigende Tendenz, und selbst im für lange Zeit autofreien All ist ja bereits die erste Blechkiste von Elon Musk unterwegs.
https://www.whereisroadster.com/

Was es braucht?
Vollbremsung!
https://www.heise.de/tp/features/Vollbremsung-4442357.html

„Fahrrad“schnell“wege: ja – Auf Kosten von Grün und grünen Fußwegen: nein!“

Eine völlig richtige Stellungnahme vom Netzwerk für Grünzüge, FUSS e.V., den Grünen Radlern, und den Naturfreunden. Warum hat der ADFC da nicht unterschrieben?

„Künstliches Schlagloch soll in Hanau Raser ausbremsen“

„Fahrradfahrer könnten die Schwelle indes seitlich passieren“ – ja, das funktioniert dann so „toll“ wie in Berlin mit den Moabiter Kissen. Der seitliche Abstand reicht nicht, wenn man mit mehrspurigem Anhänger oder Lastenrad unterwegs ist, schon gar nicht, wenn man z.B. Rollstuhlfahrer als Fahrgast hat. Wenn dann noch jemand am Rand parkt, ist man regelrecht blockiert.

Die SUV- und Jeep-Fahrer machen sich einen Spaß daraus, mit hoher Geschwindigkeit über die Schwellen zu heizen, für Radfahrer ist es ein großer Mist.

@Martin: Auch für Fahrer auf einem einspurigen Fahrrad ist das Schlagloch Mist: wenn man eine Dose hinter sich hat und dort einen Linksschlenker macht, kann man sicher sein, sofort hautnah überholt zu werden. Wehe dem Radfahrer, der nach dem Schlenker auf den Schulterblick verzichtet.

Düsseldorf bekommt „Umweltspuren“

Auf denen dürfen auch Autos mit „Mehrfachbesetzung“ fahren. Ich ahne schon, daß bald Leute am Straßenrand warten, die man im Auto mitnehmen kann, damit man schneller am Stau vorbeikommt. Denen gibt man danach einen Euro, dann stellen sie sich in der Gegenrichtung hin. Neue Jobs für Scheibenputzer und Ampelakrobaten!

Auf den Bildern die ich sah, waren S-Pedelecs nicht zugelassen. Nur so am Rande. Waren aber eh schon zu viel Zusatzzeichen, sodass es fraglich bleibt, ob die Beschilderung Bestand hätte vor Gericht.

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