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Fahrradklima-Test: Wo Städte konsequent versagen

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) hat am Freitag die Ergebnisse seines neuen Fahrradklima-Test 2016 vorgestellt. Mir fehlt momentan ehrlich gesagt die Zeit, mich damit intensiver auseinanderzusetzen. Ein Detail sprang mir aber gleich ins Auge. Die Ergebnisse von Frage 7 des Klima-Tests zeigen eindeutig, woran deutsche Städte u.a. durch die Bank scheitern:

Lästig und zuweilen gefährlich. Radwegparker in Osnabrück.
Lästig und zuweilen gefährlich. Radwegparker in Osnabrück.
Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club e.V. (ADFC) hat am Freitag die Ergebnisse seines neuen Fahrradklima-Test 2016 vorgestellt. Mir fehlt momentan ehrlich gesagt die Zeit, mich damit intensiver auseinanderzusetzen. Ein Detail sprang mir aber gleich ins Auge. Die Ergebnisse von Frage 7 des Klima-Tests zeigen eindeutig, woran deutsche Städte u.a. durch die Bank scheitern: an Falschparkerkontrollen auf Radwegen. Lediglich neun von 175 Städten (über 50.000 Einwohner) haben hier eine Note besser als 4,0 bekommen. Das sind gerade mal fünf Prozent und ehrlich gesagt ein Armutszeugnis, das zeigt, wie stiefmütterlich der Radverkehr in den Ordnungsämtern und bei der Polizei behandelt wird.

Eine 2 vor dem Komma haben lediglich Bocholt und Nordhorn. Dagegen wurden 40 Städte mit 5,0 oder sogar noch schlechter bewertet. Schlusslicht ist Berlin mit einer 5,5. Osnabrück schneidet hier mit 5,1 ab, was ich auf jeden Fall für realistisch halte. (Die Stadt lässt hier pro Jahr 2 (!) Radwegparker abschleppen.)

Dabei wäre es gerade in diesem Punkt gar nicht so schwer, für bessere Noten zu sorgen. Es müsste einfach mehr kontrolliert und vor allem sanktioniert werden. Abschleppen ist hier ein wirksames Mittel. Ausreden gibt es allerdings genug. An erster Stelle wird immer der Personalmangel genannt. Rechnet man sich aber mal aus, wie viel Geld eine Stadt einnehmen würde, wenn sie Radwegparker konsequent zu Kasse bittet, merkt man schnell, dass sich die Stellen von selbst finanzieren lassen. Und wahrscheinlich noch mehr.

Der Umgang mit Falschparkern ist ein Armutszeugnis deutscher Städte.

Auch die Zuständigkeit wird oft vorgebracht. Wie oft sehe ich Polizeistreifen – offensichtlich nicht auf dem Weg zu einem Notfall – an Radwegparkern tatenlos vorbeifahren?! Es heißt dann immer, für Falschparker sei das Ordnungsamt zuständig, da es sich um ruhenden Verkehr handelt. Wird ein Radfahrer durch einen Falschparker auf dem Radweg aber gezwungen auszuweichen, womöglich noch in den fließenden Verkehr, dann ist das für mich eindeutig ein Eingriff eben in den fließenden Verkehr und somit durchaus im Zuständigkeitsbereich der Polizei. Schließlich steigt auch das Verwarngeld für Radwegparker, wenn sie einen Radfahrer behindern.

Solange Städte also Falschparker auf Radwegen dulden, dürfen sie sich nicht wundern, wenn sie in Sachen Fahrradklima schlecht abschneiden. Noch ist es ein alltägliches Ärgernis. Und ein Ende ist auch nicht wirklich in Sicht.

Über Jahre hat er sich unsichtbare Denkmale gebaut, überall in Berlin. „Referenzobjekte“ nennt er Straßenabschnitte, die er monatelang bearbeitete, bis sich kein Falschparker mehr hintraute.

Was hartnäckige Kontrollen bewirken können, zeigt das Beispiel von @poliauwei, der in Berlin durch konsequentes Abschleppenlassen immerhin erste Straßenabschnitte praktisch radwegparkerfrei bekommen hat. Und warum Falschparker im wahrsten Sinne des Wortes asozial sind, könnt ihr hier lesen.

11 Antworten auf „Fahrradklima-Test: Wo Städte konsequent versagen“

Man muß das leider noch verallgemeinern: Bei Fehlverhalten von Autofahrern, das dem Autoverkehr mehr nutzt als schadet, wird von der Polizei konsequent weggeschaut. Dazu gehört z.B auch zu enges Überholen und die Vorfahrt beim Abbiegen oder beim Ausfahren aus Einfahrten erpressen.

Gemessen an der Durchschnittsnote sticht außerdem auch noch die Führung des Radverkehrs an Baustellen negativ heraus. Während bei den Falschparkern die unzureichende Sanktionierung der Verstöße das Hauptproblem ist, kommen bei den Baustellen noch die zu unscharfen Regeln an sich dazu. Beide Punkte sind wirklich unangenehm deutlich, und das fast flächendeckend.

In Karlsruhe, das immerhin auf Platz 2 bei den Großstädten gelandet ist, sind die 3 Hauptprobleme Radwegparker, Fahrraddiebe und Baustellen, bei denen nicht an den Radverkehr gedacht wurde.

Dabei handelt es sich ausnahmslos um Probleme, die eine städtische Verwaltung durchaus erfolgreich angehen kann, wenn der politische Wille dahinter ist.

Wer von euch hat da eigentlich mit abgestimmt?
Ich fürchte da sind viele Wutbewertungen dabei -.-

Ich habe versucht fair zu bleiben.

Da mögen bestimmt Wut-Bewertungen dabei sein, aber wundert sich darüber noch jemand? Wenn durchaus brauchbare, konstruktive und praxisorientierte Verbesserungsvorschläge der radelnden Praktiker nur bewirken, dass die verkehrsplanerischen Verwaltungstheoretiker aus den Tiefen der Bürokratie Richtlinien, Regelwerke oder Vorgaben hervorkramen und als Rechtfertigung dafür einsetzen, nichts ändern zu müssen?

Ich lebe in Nordhorn und kann die Benotung für die Sache mit dem Falschparken absolut *nicht* nachvollziehen. Ich halte diese Zahl für viel zu niedrig. Hier wird genauso idiotisch geparkt wie anderswo und es finden Kontrollen meiner Ansicht nach nur da wirklich statt, wo es der Parkraumbewirtschaft dienlich ist.

Noch ein Nachtrag: Die Note kleiner als 2 hat mich nun so überrascht, dass ich mir das mal angesehen habe. Diese Zahl gibt den „Unterschied zur Durchschnittsbewertung aller Städte der Stadtgrößenklasse“ an.

Der absolute Wert von Nordhorn für die Frage 7 beträgt 2,9. Das sieht schon anders aus, ist aber meiner Ansicht nach immer noch zu niedrig.

Die 110 wegen Falschparkern anzurufen, finde ich nicht den richtigen Weg… ich hing dort letztens in der Warteschleife! Fällt dir etwas weniger drastisches ein, hast du z.b. schonmal das os team angerufen?

Kommt auf das Falschparken an, finde ich.

Es erfüllt nach meinem Dafürhalten nicht selten den Tatbestand des ‚Gefährlicher Eingriff in den Strassenverkehr‘.
Bei uns an der Ecke, in beiden Richtungen je eine Schule in 100-150m Abstand, wurde vor ca 1 Jahr eine Schülerin von einem Abbieger erwischt und schwer verletzt. Sie war hinter illegal parkenden Kfz nicht zu sehen gewesen.
Ich bin da kurz vorher vorbeigeradelt und habe die Gefahr bemerkt. Hätte natürlich 110 wählen müssen.
Logo kann man sich nicht um Alles kümmern, aber ein Gefühl der unterlassenen Hilfeleistung bleibt bei diesem bitteren Ausgang doch.

Im Gegenteil, Radwegparker leisten einen Beitrag zur Verkehrssicherheit, denn zugeparkte Radwege sind nicht benutzungspflichtig und der Radfahrer darf völig legal auf der Fahrbahn fahren. Und der Dosentreiber hat einen Parkplatz: eine Win-win-Situation.

Auch Braunschweig, Wolfenbüttel und Region haben wieder ein Armutszeugnis ausgestellt bekommen, trotzdem jubeln Verwaltungen und Presse über das Ergebnis. Irgendwie kontraproduktiv, dieser Test.

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