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Radverkehr

Mehr Verkehrssicherheit durch bessere Infrastruktur

Zum Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar vom 17. bis 19. August 2022 erneuert der ADFC seine Forderungen nach einer besseren Radinfrastruktur.

Zum Deutschen Verkehrsgerichtstag in Goslar vom 17. bis 19. August 2022 erneuert der ADFC seine Forderungen nach einer besseren Radinfrastruktur. Der Fahrrad-Club begrüßt, dass das Thema im Fokus der jährlichen Konferenz für Straßenverkehrsrecht steht. Dies zeige die Bedeutung von Infrastruktur für die Verkehrssicherheit. Der Weg zur Vision Zero – keine Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr – führt über den zügigen Ausbau und die Anpassung der Infrastruktur für den Rad- und Fußverkehr.

Mehr Radverkehr mit mehr Verkehrssicherheit – wie schaffen wir das? Dieser Frage stellen sich die Verkehrsrechtsexpert:innen beim Deutschen Verkehrsgerichtstag. Dass die jährliche Konferenz nicht nur die Verbesserung der Verkehrssicherheit als Ziel setzt, sondern auch die Zunahme des Radverkehrs, stimmt den Fahrrad-Club positiv. Und auch die Schwerpunktverlagerung hin zur Infrastruktur ist bedeutend. Denn viele Verkehrsunfälle lassen sich durch durchgängige und intuitive Radwegenetze, geschützte Kreuzungen und getrennte Ampelschaltungen vermeiden.

ADFC-Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider sagt: „Das größte Hemmnis aufs Rad zu steigen, bleibt für die meisten die Unsicherheit auf unseren Straßen. Noch immer steigt der Anteil der Radfahrenden an allen Verkehrsopfern. Dieser besorgniserregenden Entwicklung muss der Verkehrsgerichtstag mit klaren Empfehlungen für eine bessere Radinfrastruktur begegnen. Nur gut ausgebaute und vom Auto- und Fußverkehr getrennte Radwege können die Sicherheit für Radfahrende verbessern und die Zahl der Unfallopfer reduzieren. Wir sind sehr froh, dass der Verkehrsgerichtstag die Bedeutung einer guten Infrastruktur für die Sicherheit von Radfahrenden erkannt hat. Nur mit einer besseren Infrastruktur schützen wir vulnerable Gruppen wie Kinder und Ältere auf dem Rad und kommen den gestiegenen Anforderungen durch Lastenräder und Pedelecs entgegen.“




Der ADFC empfiehlt dem Verkehrsgerichtstag daher, sich für folgende zentrale Reformen und Verbesserungen auszusprechen:

Modernes Straßenverkehrsrecht für alle
Um den Kommunen den Umbau hin zu mehr Fahrradfreundlichkeit zu erleichtern, fordern der ADFC und ein breites Bündnis eine Reform des Straßenverkehrsgesetzes (StVG) und der nachgelagerten Straßenverkehrsordnung. Das StVG muss dringend modernisiert werden, um dem Fahrrad als sicherem und klimafreundlichem Verkehrsmittel mehr Platz auf unseren Straßen einzuräumen. Zudem sollte es um die Vision Zero sowie um Ziele des Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes sowie einer nachhaltigen Stadtentwicklung ergänzt werden. Tempo 30 verringert deutlich das Risiko für schwerste oder tödliche Verletzungen und sollte daher zur Regelgeschwindigkeit erklärt werden.

Verlagerung des Verkehrs und bessere Infrastruktur fürs Rad
Unfallzahlen aus den Coronajahren zeigen, dass weniger Kraftfahrzeugverkehr auch weniger tödliche Unfälle im Rad- und Fußverkehr zur Folge hatte. Daher sollte der Verkehrsaufwand reduziert werden und wo möglich auf klimafreundliche und nachhaltige Verkehrsmittel wie Fahrrad und ÖPNV verlagert werden. Dafür muss es einladende, durchgängige Radwegenetze und Radschnellwegeverbindungen für Pendler*innen geben, die mit dem öffentlichen Verkehr gut verknüpft werden. In Innenstadtbereichen verbessern Fahrradstraßen und modale Filter die Verkehrssicherheit deutlich. Um die Wahrscheinlichkeit von Abbiegeunfällen zu minimieren, sollten Kreuzungen nach dem holländischen Vorbild umgebaut werden. Zusätzlich sollte die getrennte Ampelschaltung für rechts abbiegende Autos und für geradeaus querenden Rad- und Fußverkehr zur Regel werden.

Im Jahr 2020 hatte die Zahl der Unfälle mit Beteiligung von Fahrrädern mit über 90.000 einen Höchststand erreicht. Auch wenn es 2021 einen Rückgang gab, besonders bei den tödlichen Unfällen, ist langjährig eine Zunahme der Verletzten zu verzeichnen – anders als bei den Verunglückten im Verkehr insgesamt. Der Anteil der Radfahrenden an allen Verkehrsopfern steigt weiter. Der Verkehrsgerichtstag sollte die vom ADFC vorgelegten Empfehlungen aussprechen, um diesem negativen Trend entgegenzuwirken.

Wir brauchen mehr „echte“ Radwege.
Foto: dd
Pressemitteilung ADFC

3 Antworten auf „Mehr Verkehrssicherheit durch bessere Infrastruktur“

„Besseren Radinfrastruktur“ ist jede Straße, in der der Verkehr nicht unter das Primat des KFZ gestellt wird.
Leicht aufgewertete Nebenanlagen („echte Radwege“) sind eine Scheinlösung.

Die täglichen Debatten über Spritpreise, Nachfolge für das 9-Euro-Tickets und Reform des Straßenverkehrsrecht zeigen leider, wie wenig die Gesellschaft bereit ist, etwas aktiv zum besseren zu verändern. Die Angst vor Verzicht und Sparsamkeit lähmen den Prozess. Uns rennt die Zeit davon!

Wer formuliert eigentlich einen derartigen unstringenten Unsinn?
Richtig ist natürlich, dass mit sinkender Fahrleistung des MIV die Unfallrisiken insgesamt und insbesondere die mit Verletzungen verbundenen Unfälle bei Rad- und Fußverkehr sinken.
Statt dann richtigerweise eine deutliche und sukzessiv intensivierte Reduzierung des MIV zu fordern, wird die Reduktion des Verkehrsaufwandes insgesamt gefordert und lediglich „wo möglich“ (also faktisch dann nur bei den irrelevanten Kurzstrecken) eine Verlagerung angestrebt.
Der Pfad von MIV-Reduktion wird kurz drauf vollends verlassen, wenn dann mit fälschlicher Kausalitätsunterstellung („dafür muss es“) zum Bau eines autogerechten Radwegenetzes (gleich Ausschluss des Radverkehrs vom regulären Straßen- bzw. Fahrbahnnetz) aufgefordert wird.
Gerade die Empirie aus NL zeigt doch Jahr für Jahr, dass damit das Wachstum des MIV nicht aufzuhalten ist. Das in NL um 50% höhere Todesrisiko des Radverkehrs wird ja von der ‚Radlobby‘ ohnehin komplett seit Jahren unterschlagen.
Dazu dann noch diese unsägliche Angstmacherei mit der Pflege des Mythos einer vermeintlichen Gefährlichkeit des Radverkehrs.

Das wäre wirklich von den NL zu lernen:
Radfahren nicht gefährlich reden!

Natürlich darf die Mär nicht fehlen, dass fehlende subjektive Sicherheit Hemmnisfaktor Nummer eins sei, obwohl längst und eindeutig klar ist, dass ‚Reisezeit‘ das Top 1 Kriterium der Verkehrsmittelwahl ist, und obwohl die vorgeschlagene Rad-Totalseparation auf separierte Netze unter Realbedingungen einen shift bringt zugunsten des MIV, der Autoverkehr damit also beschleunigt (Anti-Stau) und der Radverkehr (Umwegigkeit, schlechte Oberflächen, ungenügende Breiten, falsche Radien, Entzug der Vorfahrt, etc, etc, etc, etc,) durch Radwegbau in aller Regel signifikant verlangsamt wird.
Um wieviel Grad muss die Erderwärmung eigentlich noch zunehmen, bis vielleicht auch die ‚Radlobby‘ sich mal bequemt faktenbasiert und in Übereinstimmung mit der Wissenschaft zu agieren?
Autolobby und ‚lets go dutch‘- Marketing werden aber wohl noch einige Jahre den ‚Meinungsmarkt‘ dominieren, was angesichts eines Zeitfensters von vielleicht 10 Jahren aus ökologischer Sicht komplett fatal ist.

Eine klare ‚push-Politik‘ gegen den metastasierenden Autoverkehr ist längst überfällig und sollte schleunigst Eingang auch in die ideologisch verstockten Gremien der ‚Radlobby‘ (oder sollte es besser heissen ‚Radwegelobby‘?) finden.
Das Maß für erfolgreiche Radpolitik im 21.Jhd muss längst sein:
„Grad der Reduktion des Autoverkehrs“, und nicht die autogerechte irrationale Heilslehre vom Ziel eines steigenden ‚Radverkehrsanteils‘ vor dem Hintergrund weiter steigender MIV-Fahrleistungen.

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