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ADFC fordert Anbindung des Flughafens BER ans Radverkehrsnetz

Während moderne Flughäfen – wie in Amsterdam, Frankfurt oder Kopenhagen – ganz selbstverständlich an das Radwegenetz der Region angebunden sind, fehlt eine solche Anbindung für den kürzlich eingeweihten Hauptstadtflughafen BER komplett.

Während moderne Flughäfen – wie in Amsterdam, Frankfurt oder Kopenhagen – ganz selbstverständlich an das Radwegenetz der Region angebunden sind, fehlt eine solche Anbindung für den kürzlich eingeweihten Hauptstadtflughafen BER komplett. Der Flughafen kann nicht sicher über Radwege erreicht werden, Fahrradparkplätze fehlen. Der Fahrradclub ADFC kritisiert die Rückschritthaftigkeit des Verkehrskonzepts und fordert Flughafengesellschaft FBB sowie die Gesellschafter Bund, Land Berlin und Land Brandenburg auf, die Erschließung des BER für den Radverkehr ganz oben auf die Agenda der nächsten Gesellschafterversammlung zu setzen.

ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork: „Zehntausende Angestellte des Flughafens und der entstehenden Gewerbebetriebe können den Flughafen aktuell nur mit dem Auto zügig erreichen – das ist beschämend. Es ist bekannt, dass der Südosten von Berlin enorm wächst und die Flughafenregion BER mit täglich 85.000 Pendlerinnen und Pendlern deutlich überlastet sein wird. Doch während Autobahn- und Bahnanbindung des Hauptstadtflughafens inzwischen gesichert sind, fehlt trotz früherer Ankündigungen eine zeitgemäße Lösung für den Radverkehr. Der Flughafen braucht eine sichere und komfortable Radwegeanbindung – und natürlich ein großes Fahrradparkhaus. Wir fordern die Verantwortlichen dringend dazu auf, jetzt unverzüglich Flächen für den Radschnellweg Berlin – BER – Königs-Wusterhausen zu sichern. Zu einem Großbauprojekt des 21. Jahrhunderts gehört unverzichtbar auch eine leistungsfähige Radschnellweg-Anbindung – das gilt übrigens auch für die Tesla-Gigafactory in Grünheide!“

Der Flughafen braucht eine sichere und komfortable Radwegeanbindung – und natürlich ein großes Fahrradparkhaus.

Frank Masurat, Vorstandsmitglied des ADFC Berlin ergänzt: „Berlin muss die sogenannte Y-Trasse jetzt schon über Adlershof hinaus planen, um den Lückenschluss bis zur Berliner Grenze zu sichern. Wir erwarten, dass das Thema Rad-Anbindung des BER ganz oben auf die Tagesordnung der nächsten Gesellschafterversammlung am 27. November kommt.“

Dr. Stefan Overkamp, Vorsitzender des ADFC Brandenburg betont: „Die Gemeinde Schönefeld darf nicht mit der Vermarktung der Flächen rund um den Flughafen beginnen, bevor nicht die Flächen für den Radschnellweg gesichert sind. Sind die Gebiete erst einmal verkauft und bebaut, bedeutet das das Aus für einen BER-Radschnellweg. Außerdem ist es dringend notwendig, dass das Land Brandenburg die Verantwortung für diese überregional bedeutsamen Radwegeverbindungen übernimmt. Die Kommunen sind damit heillos überfordert.“

Vorbild Frankfurt

Für den Frankfurter Großflughafen wurde extra ein vom Bundesverkehrsministerium gefördertes Modellprojekt „Fahrradfreundliche Gewerbegebiete am Beispiel des Frankfurter Flughafens“ durchgeführt. In der umliegenden Region Rhein-Main wurden Flächen für den Bau von modernen Radschnellwegen angekauft. Ziel ist, bis 2030 zehn Prozent der Beschäftigten sowie zahlreiche Flughafen-Besucher*innen für die Fahrt mit dem Rad zu motivieren. Die Fraport AG ist vom ADFC als „Fahrradfreundlicher Arbeitgeber“ zertifiziert und betreibt ein eigenes Internetangebot „Mit dem Fahrrad zum Flughafen“.

Vorbildlich am Beispiel Frankfurt sei laut ADFC auch, dass es dort frühzeitig eine Instanz gab, die Planung, Bauaufsicht und Finanzierung der Radinfrastruktur für alle Beteiligten koordinierte – nämlich der Regionalverband Frankfurt Rhein Main. Der ADFC fordert eine solche Koordinationsstelle auch für die Rad-Anbindung des Flughafen BER.

Flughafen Kopenhagen
Foto: ADFC/Wörle

5 Antworten auf „ADFC fordert Anbindung des Flughafens BER ans Radverkehrsnetz“

@biclonavtis: Noch bitter finde ich, daß der ADFC auch 2020, 85 Jahre nach 1935, immer noch an der Legende arbeitet, ohne Radwege könne man nicht radfahren.

Das Radwege fehlen, ist die eine Sache. Das aber auf den Straßen ohne Radwege das Radfahren explizit untersagt ist (VZ254) ist das besondere Unding.

Das hätte ich gerne an Quellen belegt. Ging es nicht vielmehr darum, freie Bahn für den Kfz-Verkehr zu schaffen bzw. darum, dass die Fahrbahnoberflächen nicht gerade geeignet waren.

wie bitte? Der ADFC hat doch mehr als 35 Jahre behauptet, das wir keine Radwege brauchen und selsbtsicherer auf der Fahrbahn radeln sollen. Gerade einer meiner KV-Vorsitzenden schrieb mir noch Anfang der 2010er, dass es ein (sinngemäß) „psychologisches Problem bei vielen Radfahrern sei, wenn sie sich nicht trauen auf der Fahrbahn zu radeln“ und freut sich in der hiesigen ADFC-Zeitschift immer über den Abbau der blauen Lollis und Enfernung von Radwegen.

ich nehem Sie gerne mal im Sommer mit auf ne Radtour in die Südheide, sagen wir mal nördlich von Gifhorn auf der B4 zu radeln. Ich kann Ihnen nur sagen, dass es ein „unglaublicher Genuss“ ist, wenn die LKW mit 80 so knapp überholen, dass man schon daran gesogen oder weggedrückt wird. Oder ebenfalls die B4 im Harz, wo dann Autos und LKW hupen, man hätte nicht auf der Fahrbahn zu fahren….. dabei ist die Kraftfahrstraße erst ab Bad Harzburg unten (da muss man natürlich aufpassen, nicht rein zu fahren und vorher in den Ort abbiegen).

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