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Radverkehr

Welche Kosten verursachen verschiedene Verkehrsmittel wirklich?

Welche Kosten verursachen die verschiedenen Verkehrsmittel wirklich? Diese Frage stellte der Verkehrswissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer von der Uni Kassel in einem Forschungsprojekt und kam zu einer klaren Antwort: Der Radverkehr erhält die geringsten Zuschüsse.

Welche Kosten verursachen die verschiedenen Verkehrsmittel wirklich? Diese Frage stellte der Verkehrswissenschaftler Prof. Dr.-Ing. Carsten Sommer von der Uni Kassel in einem Forschungsprojekt und kam zu einer klaren Antwort: Der Radverkehr erhält die geringsten Zuschüsse. Der PKW-Verkehr in einer deutschen Großstadt kostet die öffentliche Hand und die Allgemeinheit etwa das Dreifache wie der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV). Denn der PKW-Verkehr erfordert zwar durchaus auch – wie der ÖPNV – Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur und deren Unterhalt, bringt aber den Kommunen keine unmittelbaren Einnahmen wie der ÖPNV.

Mobilität kostet Geld. Der Betrieb von Fahrzeugen erfordert Energie, verursacht Umweltschäden, setzt Investitionen in den Unterhalt der Verkehrsmittel sowie in die Infrastruktur wie Straßen und Schienen, Ampeln und Signale voraus, und er führt – im schlimmsten Fall – zu Unfällen. Aber Mobilität hat auch einen Ertrag. Verkehrsbetriebe nehmen Fahrgelder ein, und Bewegung hält – zum Beispiel die Radfahrer und Fußgänger – gesund. Bislang aber ist für die Kommunen ziemlich offen, welchen Investitionen in ihre Verkehrssysteme, welcher Ertrag gegenübersteht.

Der Radverkehr erhält die geringsten Zuschüsse. Der PKW-Verkehr in einer deutschen Großstadt kostet die öffentliche Hand und die Allgemeinheit etwa das Dreifache wie der ÖPNV.

In dem zweistufigen Projekt, das durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur aus Mitteln des Nationalen Radverkehrsplans 2020 gefördert wurde, entstand auch ein „Tool“, ein Instrument auf Excel-Basis, mit dem die Kommunen die Kosten der einzelnen Verkehrssysteme bezogen auf ihre Gemeinde selbst ermitteln können. Damit können erstmalig die Zuschüsse des Radverkehrs mit denen der anderen Verkehrssysteme verglichen werden. „Ich erhoffe mir aufgrund unserer Arbeit eine transparentere Verkehrs- und Infrastrukturplanung“, sagt Sommer: „Wir geben den Entscheidern in der Politik das Instrument an die Hand, sich faktenbasiert für oder gegen ein Projekt zu entscheiden. Wir betrachten dabei nicht ein Verkehrsprojekt isoliert, sondern das Gesamtsystem und die Effekte einer Einzelentscheidung auf das Ganze. Damit wollen wir die Diskussion versachlichen.“

Generell gilt nach Sommers Zusammenfassung der Ergebnisse aus den untersuchten Modellstädten Bremen, Kassel und Kiel, dass die Zuschüsse für den Radverkehr im Vergleich zu den anderen Verkehrssystemen gering ausfallen. Der Kostendeckungsgrad des ÖPNV – also der Beitrag, mit dem die Nutzer einer öffentlichen Investition in Verkehrswege deren Finanzierung und Unterhalt durch einen eigenen Kostenbeitrag mitfinanzieren – liegt aus der Perspektive der Kommune höher als der des PKW-Verkehrs. Der Kostendeckungsgrad des LKW-Verkehrs ist aus der Sicht der Kommune am geringsten. Im Vergleich der Personenverkehrssysteme erzeugt der PKW-Verkehr die höchsten externen Kosten (60 bis 79 Prozent) und der Fußgängerverkehr die geringsten. Der größte Anteil an den gesamten externen Kosten (44 bis 57 Prozent) entfällt auf Unfallkosten und der geringste auf Kosten durch Lärmbelastung (4 bis 9 Prozent).



„Bisher“, sagt Sommer, „haben die Entscheider in Kommunen nur gefragt, was der Neu- oder Ausbau einer Straße kostet, wie viel eine Bushaltestelle kostet, oder welchen Zuschussbedarf eine Straßenbahn hat. Beim Bau eines Parkhauses wurden die Kosten vielleicht in das Verhältnis zu den erwarteten Einnahmen gesetzt. Aber wer weiß schon, was eine Straße wirklich kostet, wie sie im konkreten Fall von PKW oder LKW belastet wird, und wie viel Oberflächenwasser im Vergleich zur Schiene zu entsorgen ist? Was kosten Unfälle? Wie sieht die Gesamtbilanz aus? Und was ändert sich daran, wenn wir eine City-Maut erheben oder das Angebot im Straßenbahnverkehr verbessern?“

Osnabrück will es wissen

Während andere Städte, laut Pressemitteilung der Uni Kassel, diese Transparenz gar nicht wollten, möchte Osnabrück das neue „Modell konsequent für die Verkehrsplanung nutzen“. Von der Stadt heißt es dazu, dass man es bereits angewendet habe und momentan die Auswertungsphase laufe. (Zwischen-) Ergebnisse zur Veröffentlichung gibt es laut Stadtsprecher Dr. Sven Jürgensen zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht.

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