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Radverkehr

Anzeigen-Flashmob gegen Radwegparker in Köln

Radwegparker nerven und gefährden eigentlich in jeder deutschen Stadt. Kaum ein Tag vergeht, an dem man als Radfahrer nicht auf einen dieser Falschparker trifft. Was @poliauwei in mehreren Berliner Straßenzügen schon durch Abschleppen lassen geschafft hat, wollen jetzt auch Aktivisten in Köln erreichen. Eine radwegparkerfreie Neusser Straße.

Die Zustände auf der Neusser Straße sollen laut extra eingerichteter Webseite berüchtigt sein – „weil Ordnungshüter hier notorisch die Arbeit verweigern: Falschparkende werden nicht verfolgt. Pro Tag werden dadurch im Schnitt 7000 Radfahrende in Gefahr gebracht.“ Die Aktivisten wollen sich diesem Gewohnheitsunrecht nicht länger tatenlos ausliefern.

Der Mitarbeiter der Stadt will nicht. „Da müsste man ja die ganze Reihe aufschreiben!“

Die Idee zu dem Flashmob, bei dem mindestens zehn Personen ca. 800 Meter der Neusser Straße auf und abgehen und Falschparkende fotografieren, enstand bei der RADKOMM. Die Falschparker werden dann online angezeigt.

Die Aktivisten sehen sich übrigens nicht als Freizeitpolizisten – eher als eine Gruppe mit verkehrspolitischem Anliegen. Diese könne man auch nicht mehr so leicht als „QuerulantInnen“ verunglimpfen, wie einzelne Personen. „Wir würden uns freuen, wenn die Stadt Köln ihren Pflichten nachkäme (und wir stattdessen ein Picknick organisieren könnten…). Da sie das nicht tut, werden wir aktiv – damit sich endlich etwas ändert.“

Foto: Klaus Beutelspacher
Foto: Klaus Beutelspacher

Und es ist ja auch richtig: irgendwas läuft falsch, wenn sich ein beträchtlicher Teil der Autofahrer für Falschparker-Bußgelder nicht interessiert, weil diese so niedrig sind, dass sie „aus der Portokasse“ bezahlt werden können. Wenn sie denn überhaupt verhängt werden. Zu den niedrigen Bußgeldern kommt in Deutschland nämlich noch ein großes Defizit bei den Kontrollen.

Niedrige Bußgelder + kaum Kontrollen = Falschparkerparadies Deutschland

Ich bin gespannt, wie der erste Anzeigen-Flashmob, der für morgen (27. Juni) geplant ist, ablaufen wird. Und vor allem, wie die Stadt darauf reagiert. Ein Bekannter von mir hatte vor kurzem ähnliches in Osnabrück vor, weil eine bestimmte Stelle quasi durchgehend zugeparkt ist. Von der Stadt kam nur die Bitte, von Anzeigen abzusehen, da es sich wegen mangelnder Benutzungspflicht nicht um einen Radweg handele. Wir haben nicht schlecht gestaunt und die Stadt aufgeklärt. Jetzt soll zunächst eine Verkehrsschau stattfinden. Auf Anzeigen möge bitte weiterhin verzichtet werden…

Mehr dazu:
Nur mal eben kurz…
Falschparker sind asozial
Als Radwegparker hat man kaum etwas zu befürchten

Update 1. Juli 2017

Die Initiatoren des Flashmob sind mit der ersten Aktion, die eine Stunde andauerte, sehr zufrieden. Auf Facebook bedanken sie sich bei rund 15 Aktivistinnen und Aktivisten, die teilgenommen haben. Auch eine Anwohnerin nahm sich spontan eine Weste und machte mit. Die „Diskussionen mit Interessierten und sogar mit betroffenen AutofahrerInnen gingen allesamt gut aus (!) in dem Sinn, dass nichts aus dem Ruder lief und man sich für die Sichtweise des Anderen ehrlich interessierte. Unsere Hoffnungen wurden da klar übertroffen.“

Die Aktion wurde schnell und gut verstanden, bilanziert die Gruppe. „Viel Sympathie. Verdrossene, aber einsichtige AutofahrerInnen. Und eine Begegnung mit der Veedelspolizei, die noch analysiert werden muss…“

Ergebnis: Es wurden 32 Ordnungswidrigkeitenanzeigen im Rahmen des 1. Anzeigen-Flashmob am 27. Juni erstellt und eingereicht.


8 Antworten auf „Anzeigen-Flashmob gegen Radwegparker in Köln“

Korrekt. Da die Benutzungspflicht dort fehlt, wird das von der Stadt als „angedeuteter Radweg“ bezeichnet. Sobald entsprechende Mittel freigegeben sind, soll dieser entfernt und an der gleichen Stelle ein Parkstreifen eingerichtet werden.

Der Radweg dort ist in einem wirklich miesen Zustand und wird wohl kaum noch benutzt (gerade aufgrund des Zustands).

Ich finde es aber auch bezeichnend, anstatt Mittel in die Instandsetzung zu investieren, diese lieber in den Rückbau des Radwegs und in die Einrichtung eines Parkstreifens zu investieren. Zumal es in diesem Gewerbegebiet ausreichend Parkplätze an der Straße und auf Firmengrundstücken gibt. Der Radweg wird dort aus reiner Bequemlichkeit als Parkfläche von den Autofahrern genutzt.

Vielleicht kann man dann wenigstens die Fahrbahn auf Tempo 30 setzen lassen, wenn der Platz nicht reicht, dann hätte es noch einen kleinen Vorteil.

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