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Radverkehr

Die Mär vom Fahrrad-Wahn in Deutschland

Vor einigen Tagen sorgte ein Artikel des Leiters vom Meinungsforschungsinstitut Forsa, Manfred Güllner, in dem Magazin KOMMUNAL vom Deutschen Städte- und Gemeindebund für Aufsehen. Darin stellte Güllner die Behauptung auf, deutsche Kommunen seien vom Fahrrad-Wahn befallen. Schön wär’s! Dass die Realität ein andere ist, sollte den meisten wohl klar sein.

Pressemitteilung

ZIV_LogoVor einigen Tagen sorgte ein Artikel des Leiters vom Meinungsforschungsinstitut Forsa, Manfred Güllner, in dem Magazin KOMMUNAL vom Deutschen Städte- und Gemeindebund für Aufsehen. Darin stellte Güllner die Behauptung auf, deutsche Kommunen seien vom Fahrrad-Wahn befallen. Schön wär’s! Dass die Realität ein andere ist, sollte den meisten wohl klar sein. Auch wenn das Thema Radverkehr in den letzten Jahren einen erfreulichen Aufschwung erlebt, so gibt es in der Verkehrsplanung vielerorts nach wie vor eine deutliche Bevorzugung des motorisierten Verkehrs im Autoland Deutschland.

Der Radverkehr wächst, vor allem in den deutschen Großstädten. Aber die Ausgaben für den Radverkehr sind nach wie vor verschwindend gering im Vergleich zum motorisierten Verkehr. Im Bundeshaushalt des Jahres 2016 sind mehr als sechs Milliarden Euro für Autobahnen und Bundesstraßen bereitgestellt. Der Radverkehr wird hingegen mit ca. 100 Millionen Euro gefördert.

Weiterhin ist das Fahrrad ein günstiges Verkehrsmittel mit nahezu keinerlei Zugangsbarrieren und somit für jeden nutzbar. Es ermöglicht auch denen mobil zu sein, die sich kein Auto leisten können. Dass Radverkehrspolitik Politik für reiche Eliten sei, wie es Güllner darstellt, ist doch eine sehr einseitige Betrachtungsweise.

Deutsche Kommunen vom Fahrrad-Wahn befallen? Schön wär’s!

Zudem nutzt Radverkehrsförderung allen Verkehrsteilnehmern. So minimieren z. B. Tempo-30-Zonen auch für Autofahrer und Fußgänger das Risiko schwerer Unfälle und weniger Staus kommen denen zugute, die auf das Auto angewiesen sind. Dass von der Minderung der Lärm- und Luftbelastung durch mehr Rad- und weniger Autoverkehr alle Einwohner profitieren, ist offensichtlich.

Am Beispiel Berlin zeigt sich, dass Radverkehrspolitik nicht nur für Radfahrer wichtig ist. Laut einer Umfrage von infratest dimap im Auftrag des RBB und der Berliner Morgenpost sagte die Hälfte der Auto- und Motorradfahrer, dass zu wenig für den Radverkehr getan werde. Zudem fanden auch 50% der Auto- und Motorradfahrer, dass der Volksentscheid Fahrrad mit seinen Forderungen in die richtige Richtung gehe. Auch der ADAC Berlin-Brandenburg hat eine Umfrage zum Thema Radverkehr in Berlin durchgeführt. Demnach befürworten 56% der Mitglieder, dass dem Radverkehr mehr Verkehrsraum zur Verfügung gestellt wird. Mehr als zwei Drittel (68%) unterstützen die Schaffung eines separaten, gut ausgebauten Fahrradstraßennetzes getrennt von den Hauptverkehrsachsen. Diese Menschen haben verstanden, dass Radverkehrsförderung allen Verkehrsteilnehmern zugutekommt.

Dass nach wie vor etliche Menschen lieber täglich im Stau stehen und hohe Kosten für Nutzung und Unterhalt eines Autos zahlen, anstatt mit dem Rad zu fahren, liegt in erheblichen Maße auch daran, dass sie aufgrund der vielerorts mangelhaften Fahrradinfrastruktur Angst haben auf das Rad zu steigen.

Verkehrsplaner täten deshalb gut daran, weiterhin die Realitäten in den Kommunen zu beobachten und die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zu erörtern. Und das heißt konkret, den Radverkehr weiter zu fördern und eine entsprechende Infrastruktur zu schaffen.

Quelle

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