Vier Fahrspuren plus eine Parkspur für Autos. Dagegen nur ein schmaler Radfahrstreifen in jämmerlichem Zustand...

Vier Fahrspuren plus eine Parkspur für Autos. Dagegen nur ein schmaler Radfahrstreifen in jämmerlichem Zustand…

Eigentlich bin ich ein Freund von positiven Formulierungen. Besser „mehr von A“ fordern, statt „weniger von B“. Lieber „A fördern“ statt „B beschränken“. Beim Thema Flächengerechtigkeit in unseren Städten ist meiner Meinung nach aber der Zeitpunkt erreicht, an dem wir offensiv fordern sollten, dem motorisierten Individualverkehr (MIV), sprich dem Auto, endlich Platz wegzunehmen, um ihn anderen Verkehrsteilnehmern oder den Menschen im Allgemeinen (zurück-) zu geben.

Das Auto beansprucht überproportional viel Platz in unseren Städten, andere Verkehrsteilnehmer werden an den Rand gedrängt (Fußgänger, Radfahrer) oder durch das hohe MIV-Aufkommen „behindert“ (Bus), Erholungsflächen oder solche zum schlichten Aufenthalt, ohne ökonomischen Hintergedanken, gehen verloren oder sind es schon lange. Dabei sind gerade der Fuß- und der Radverkehr sowie der ÖPNV die Mobilitätsalternativen, die unsere Städte wieder lebenswerter machen können. Sie beanspruchen weniger Platz und verursachen weniger bis gar keinen Lärm. Gleiches gilt für Abgase.

Da so ziemlich jede Straße mit einem Gehweg versehen ist, wäre also der Radverkehr an der Reihe, mit einer eigenen, sicheren und möglichst lückenlosen Infrastruktur gefördert zu werden. Bleibt die Frage, woher die Fläche dafür kommen soll. Denn der Raum in unseren Städten kann nur ein Mal vergeben werden. Und das wurde er bereits. Will man dem Radverkehr nun zusätzliche Flächen zur Verfügung stellen, muss man diese anderen Verkehrsteilnehmern nehmen. Und da bleibt eben nur der MIV mit seinen zum Teil mehrspurigen Straßen und anliegenden Parkstreifen.


Und hier komme ich zurück auf die Formulierungsfrage vom Anfang. Natürlich kann man es vermeiden, öffentlich davon zu sprechen, dem MIV etwas zu nehmen. Natürlich kann man positiv formulieren, um mehr Leute ins Boot zu holen, die es prinzipiell nicht schlecht finden, Radverkehr und ÖPNV zu begünstigen oder ein Stadt grüner zu machen. Dann hat man aber auch viele dabei, die gar nicht wollen, was letztendlich nicht zu vermeiden ist: dem Auto etwas zu nehmen. Und diese Wahrheit wird dann nur im Hinterzimmer ausgesprochen, wo folglich auch die Entscheidungen fallen. Und dann ist das „Geschrei“ hinterher in der Öffentlichkeit erfahrungsgemäß groß. Daher bin ich der Meinung, dass, wer umverteilen will, auch endlich klar sagen sollte, dass dem Auto dafür Platz genommen werden muss. Das können Fahrspuren sein, genauso gut aber auch Parkstreifen. Insbesondere solche, die das kostenfreie Abstellen von privatem Besitz im öffentlichen Raum erlauben. (Mehr dazu: Das Grundrecht auf Parkplätze)

Städte sind für Menschen da, nicht für Autos.

Das Auto hat unsere Städte viel zu lange beherrscht. Es wurden genug Schneisen in Innenstädte geschlagen und es wurden genug neue Viertel gebaut, die in erster Linie dem Zu- und Abfluss des MIV dienen. Städte sind für Menschen da, nicht für Autos. Und dazu gehören auch Flächen mit Aufenthaltsqualität (für Menschen) statt Parklätze (für Autos) mitten in der City. Innenstädte, nein, Menschen brauchen Parks, Grünanlagen, Bänke, Brunnen, Plätze. Die Flächen dafür wird der fahrende und stehende motorisierte Individualverkehr abgeben müssen!

Die Markierungen zeigen, wie viel Fläche den verschiedenen Verkehrsteilnehmern zugesprochen werden: rot = Auto, blau = Bus, grün = Radfahrer + Fußgänger, gelb = Fußgänger.

The Arrogance of Space: Die Markierungen zeigen, wie viel Fläche den verschiedenen Verkehrsteilnehmern zugesprochen werden: rot = Auto, blau = Bus, grün = Radfahrer + Fußgänger, gelb = Fußgänger.

PS: Am Ende heißt das gar nicht, dass es Autofahrer schwerer haben werden. Stadtbewohner und Radfahrer haben es aber definitiv leichter. Und wenn letztere immer mehr werden, weil Menschen vom Auto aufs Fahrrad umsteigen, haben es sogar die verbliebenen Autofahrer leichter. Und das ist dann nicht nur positiv formuliert.


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