Meine allgemeinen Eindrücke aus Südtirol gibt es am Wochenende. Hier aber schon mal eine sehr schöne Kampagne aus Bozen, auf die ich vor meinem Besuch im Internet schon aufmerksam geworden war. „Gemeinsam unterwegs“ richtet sich an Radfahrer und Fußgänger, denn ein Modal Split von 33 Prozent Fuß- und 28 Prozent Radverkehr bringe auch einige Probleme mit sich, so Brunella Franchini aus dem Amt für Mobilität der Gemeinde Bozen.

Bei dieser durchaus erfreulich nachhaltigen Mobilität zählt die Stadt mehr als 100.000 Bewegungen pro Tag mit dem Fahrrad. „Wir haben bemerkt, dass viele Radfahrer in den letzen Zeiten undiszipliniert waren. Besonders in der Altstadt, wo die Straßen sehr eng und sehr viele Fußgänger unterwegs sind, oder in Parks, gab es Probleme bezüglich des Zusammenlebens. Als Strategie, haben wir die Aktion in einer freundlichen Weise vorgebracht.“ Jetzt motiviert die Stadt Radfahrer und Fußgänger und bedankt sich mithilfe von Schildern im Voraus, statt Verbote und Strafen auszusprechen. Ein lohnenswerter Ansatz. Und gerade in den kleinen Gassen der Altstadt, wo das Radfahren zumeist erlaubt ist, kann es auch nicht ohne gegenseitige Rücksichtnahme funktionieren.

Mit einem großen DANKE auf den Schildern möchte sich die Stadtverwaltung aber vor allem bei den vielen Boznerinnen und Boznern bedanken, die sich rund ums Jahr und zum Vorteil aller, umweltfreundlich und gesund mit dem Rad fortbewegen.

Neben den „Respekt-Schildern“ in der Altstadt gibt es aber noch weitere. Franchini: „Wir haben die zwei für uns wichtigsten Themen gewählt, Respekt voreinander und Sicherheit. Wir haben mit der Stadtpolizei bemerkt, dass viele Radfahrer telefonieren. Das ist verboten und unsicher. Deswegen haben wir solche Schilder entlang von Radwegen aufgehängt.“

Darüber hinaus wurden zwei Broschüren erarbeitet – eine mit 10 Regeln zum sicheren Radfahren und eine mit den 10 wichtigsten Dingen, die am Fahrrad zu beachten sind. Die Broschüren werden vom Bozener Maskottchen für Radverkehr „Murmeltier Max“ bei verschiedenen Veranstaltungen wie dem Bozner Radtag, dem Frühstück mit dem Fahrrad und der mobilen Radwerkstatt verteilt. In Zusammenarbeit mit Ökoinstitut wurde eine Medienkooperation gestartet und bereits einige Artikel über Radmobilität und Respekt im Verkehr veröffentlicht.

Ein Fazit will Brunella Franchini noch nicht ziehen: „Es handelt sich um eine Kampagne, die als Zweck hat, die Leute zu sensibilisieren und die Gewohnheiten und das Verhalten ein bisschen zu ändern. Ich glaube, das verlangt Zeit und die Ergebnisse sind schwierig zu bemessen.“

Da gebe ich ihr recht. Sowas braucht immer Zeit. Aber eine Aktion, die motiviert statt bestraft, halte ich grundsätzlich für lobenswert. Man kann es nicht oft genug sagen: Verkehr geht nur zusammen. Rücksicht müssen alle nehmen. Und dann ist man auch – nicht nur in Bozen – sicher „Gemeinsam unterwegs“.

Fahrradfreundliche Innenstadt: selbst diese kleine Gasse ist für den Radverkehr freigegeben (Schild rechts). Das geht dann aber nur mit Rücksicht. Dafür bedankt sich die Stadt Bozen auf dem Schild links.

Fahrradfreundliche Innenstadt: selbst diese kleine Gasse ist für den Radverkehr freigegeben (Schild rechts). Das geht dann aber nur mit Rücksicht. Dafür bedankt sich die Stadt Bozen auf dem Schild links.

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