Bild: www.adfc.de

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Die Ergebnisse des ADFC-Fahrradklimatests 2012 sind da. Wenig verwunderlich liegt Münster bei den Großstädten ganz vorne. Wie schon im letzten Jahr. Es folgen Freiburg, Karlsruhe und Kiel.

Osnabrück liegt im Ranking der Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern auf Platz 11, mit einer Gesamtbewertung von 3,74. Bewertet wurde wie in der Schule mit den Noten 1 bis 6. Das Osnabrücker Gesamtergebnis ist demnach eine 4, was die Wirklichkeit relativ genau widerspiegelt wie ich finde.

Am besten hat die Stadt bei den Fragen 23 und 24 abgeschnitten, was ich allerdings für paradox halte. Nummer 23 fragt nach der guten Erreichbarkeit des Stadtzentrums mit dem Fahrrad. Hier gibt es allerdings zweispurige Einfallstraßen, die über keinen Fahrradweg verfügen. Und bei vielen Straßen endet der Radweg abrupt am Innenstadtring, was eine Verunsicherung für Radfahrer darstellt.
Frage 24 will wissen, ob man Ziele zügig und direkt mit dem Fahrrad erreichen kann. Dazu kann ich nur sagen, dass die Ampelschaltungen total auf den Autoverkehr abgestimmt sind und man als Fahrradfahrer zum Teil sogar Umwege in Kauf nehmen muss, um in die Stadt zu kommen. Beispiel ist hier die Martinistraße, wo Radfahrer auf den Umweg durch das Katharinenviertel gezwungen werden.

Auffallend schlecht schneidet die Stadt bei der Überwachung von Autofahrern ab, die auf Radwegen parken (4,56), bei der Räumung von Radwegen im Winter (4,67), bei der Breite der Radwege (4,56) und bei der Radwegführung an Bushaltestellen (4,58). Diese Punkte kann ich ausnahmslos bestätigen. Über die winterliche Räumung habe ich bereits berichtet. Auch das Problem der parkenden oder haltenden Autos auf Radwegen ist alltäglich. Autofahrer halten dies wohl für ein Kavaliersdelikt, was es absolut nicht ist. Auch die Wegführung an Bushaltestellen ist oft mangelhaft, da der Radweg häufig zwischen Wartehäuschen und Bussteig entlangführt, was regelmäßig zu Konflikten zwischen Radfahrern und wartenden Passanten führt.

Insgesamt ist der Fragenkatalog in fünf Blöcke aufgeteilt, bei denen Osnabrück vorwiegend mittelmäßig bis schlecht abschneidet. Lediglich im Block Infrastruktur und Radverkehrsnetz gibt es eine befriedigende 2,8. Die weiteren Kategorien:
– Fahrrad- und Verkehrsklima: 3,5
– Stellenwert des Radverkehrs: 4,3
– Sicherheit beim Radfahren: 4,0
– Komfort beim Radfahren: 4,2
Vor allem die Bewertung des Stellenwerts des Radverkehrs zeigt, woran es in Osnabrück hapert. Viel zu lange konzentriert man sich hier nun schon auf den Kraftverkehr, was auch aktuell wieder an den Planungen des neuen Einkaufscenters zu sehen ist, das ein angeschlossenes Parkhaus mitten in der Innenstadt bekommt.

Im niedersächsischen Landesvergleich liegt Osnabrück immerhin auf Platz 2 der Städte mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern. Ein Grund zu feiern? Mitnichten! Nur weil es woanders gefühlt noch schlechter ist, wird es dadurch bei uns nicht besser. Die Stadt sollte den Fahrradklimatest also als Anreiz nehmen, sich über ihre Fahrradpolitik noch mal Gedanken zu machen und die nötigen Schlüsse daraus ziehen!

Alle Einzelergebnisse gibt es hier, den Fragenkatalog hier und das gesamte Städteranking hier.

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