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Osnabrück

LKW-Rechtsabbiegeverbot als Lösung für tödliche Unfälle?

Nachdem in den letzten Jahren mehrere Radfahrer in Osnabrück von rechtsabbiegenden LKW getötet wurden, denkt die Stadt nun über ein Rechtsabbiegeverbot auf dem Wall nach, der die Innenstadt als Ring umschließt. Hier kam es zu drei tödlichen Unfällen und immer wieder zu gefährlichen Situationen. Die taz berichtet heute online. Ist ein Rechtsabbiegeverbot also die Lösung?

Kurzfristig und in einem Verkehrssystem, in dem man möglichst wenig an den herrschenden Umständen ändern will, wäre es sicher eine Lösung, wenn diese Abbiegesituationen zwischen LKW und Radfahrer nicht mehr entstünden. Insgesamt sehe ich hier aber wieder mal ein Werkeln an Symptomen, statt eine Lösung des Problems. Denn Osnabrück hat viel mehr Kreuzungen als die wenigen am Wall. Und auch an anderen Stellen gab es schon tödliche Unfälle mit LKW- und Radfahrerbeteiligung.

Ein LKW-Rechtsabbiegeverbot zeigt nur, dass der politische Wille für echte, für moderne Veränderungen in der Stadt fehlt.

Wäre der politische Wille für eine Neuordnung des städtischen Verkehrs da, für eine Flächengerechtigkeit zwischen den Verkehrsarten, dann würde man breite und geschützte Radwege (nicht nur) rund um den Wall anlegen. Und an den Kreuzungen kämen dann getrennte Ampelschaltungen zum Einsatz, wie sie an der Kreuzung Wall/Kommenderiestraße nach drei tödlichen Unfällen endlich eingerichtet wurde.

Zur Neuordnung des Verkehrs gehört dann aber auch, den Schwerlastverkehr (in Osnabrück) überhaupt zu reduzieren. Dafür müsste man die hier ansässigen Speditionen zu den nächstgelegenen Autobahnauffahrten leiten (eine Selbstverpflichtung gibt es bereits), den überregionalen Verkehr aus der Stadt heraushalten, ihn nicht durch die Stadt leiten, wenn auf den Autobahnen Stau ist und den Lieferverkehr soweit wie möglich mit kleineren Fahrzeugen abwickeln. Der Wirtschaftsverkehr kann laut Bundesverkehrsministerium zu 25 Prozent mit Lastenrädern bestritten werden. Ich stelle mir dafür Umschlagplätze an den Autobahnen vor, die mit großen LKW beliefert werden. Von dort schwärmen dann kleinere Fahrzeuge aus und beliefern die Stadt. Das wäre eine Aufgabe für die Stadt von Morgen, die aber heute schon gedacht und eingeleitet werden muss. Und zum Beispiel in Gent bereits gelebt wird.

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Das Problem ist komplex und leider nicht einfach mal eben so zu lösen. Aber es gibt Ansätze, die helfen können. Dass diese Ansätze Veränderungen bedeuten, scheint mir in Osnabrück das größte Problem zu sein. Veränderungen steht man hier sehr skeptisch gegenüber. Sehr oft heißt es, ‚Das funktionier hier nicht‘ oder ‚Man kann Osnabrück nicht mit XY vergleichen`. Ich denke, man hat sich in dem (Verkehrs-)System hier ganz gut eingerichtet und möchte möglichst wenig verändern. Da aber sowohl Radverkehr als auch Warenverkehr stetig zunehmen und das LKW-Problem dadurch eher noch größer wird, sind echte Veränderungen unumgänglich.

15 Antworten auf „LKW-Rechtsabbiegeverbot als Lösung für tödliche Unfälle?“

Ganz einfach: Rechtsabbiegern Vorfahrt vor Radlern, schon ist das Risiko minimiert. Leuchtet eigentlich jedem Vollidioten ein, nicht aber den militanten Radnazis.

Blöd formuliert, keine Frage
Aber im Kern seh ich das auch so;
warum um alles in der Welt hat jemand Nachrang wenn er VOR mir ist und vor mir Abbiegt?
Das ergibt für mich keinen Sinn.
Dann auch noch von rechts, wo überall rechts überholen Verboten ist….
Links am Rechtsabbieger vorbei ist meiner Ansicht am Erstrebenswertesten.

Ich meide generell Fahrten in der Stadt; wenn dann am liebsten außerhalb von Spitzenzeiten; ich hab einfach die Schnauze voll davon.

„warum um alles in der Welt hat jemand Nachrang wenn er VOR mir ist und vor mir Abbiegt?“

Weil er Deinen Weg kreuzt. Das ist ein generelles Prinzip im Straßenverkehr. Geradeausverkehr hat standardmäßig Vorrang vor Allem, was dessen Weg kreuzt.

Am einfachsten verständlich ist es wohl, wenn Du innerorts eine vierspurige Fahrbahn hast, zwei Spuren pro Richtung. Du fährst im Auto auf der linken Spur und willst rechts in eine Straße abbiegen. Selbstverständlich hat das Auto, das rechts hinter Dir fährt, dann Vorrang – Du darfst ihn nicht einfach schneiden. Du kreuzt halt dessen Weg.

Genau dasselbe Prinzip gilt logischerweise bei nur zwei Fahrbahnspuren und jeweils einem Radstreifen an den Rändern. Beide sind eigene Spuren (bei Schutzstreifen stimmt das eigentlich nicht, trotzdem ist die Vorrangsituation dieselbe, weswegen dieses Bild hier trotzdem passt). Wenn Du von der „linken“ Spur rechts abbiegen willst, haben Fahrräder auf der „rechten“ Spur (dem Radstreifen) hinter Dir Vorrang.

Und das gilt genauso bei „Radspuren“, die von der Straße abgesetzt sind (Radwege). Und übrigens auch bei Fußgängern, die daneben auf dem Gehweg laufen und eine Einmündung überqueren wollen.

Zwischen Rad- und Fußverkehr gilt natürlich dasselbe Prinzip: Wollen Radfahrende rechts abbiegen, hat Geradeaus-Fußverkehr Vorrang, weil deren Weg gekreuzt wird.

„Du fährst im Auto auf der linken Spur und willst rechts in eine Straße abbiegen. Selbstverständlich hat das Auto, das rechts hinter Dir fährt, dann Vorrang – Du darfst ihn nicht einfach schneiden. Du kreuzt halt dessen Weg.“

So ein Unsinn. StVO § 9(1):
„Wer nach rechts abbiegen will, hat sein Fahrzeug möglichst weit rechts […] einzuordnen, und zwar rechtzeitig.“

Das heißt, man ordnet sich zum Rechtsabbiegen nicht auf der linken, sondern auf der rechten Spur ein. Dafü braucht man eigentlich auch keine StVO, sondern der eigene Verstand sollte einem schon sagen, daß es hirnrissig und unfallträchtig ist, sich als Rechtsabbieger links von Geradeausverkehr zu positionieren.

Oops, hat da gerade jemand „Radweg“ gerufen?

Dazu Prof. Karl-Heinz Schimmelpfennig in NZV 2015, Seite 23 (Aufsatz: „Unfallrisiko Landstraße“) unter II. „Problemfeld städtischer Verkehr“:

„Das krasseste Kompatibilitätsproblem im städtischen Verkehr liegt zwischen Nutzfahrzeug und z. B. Fahrradfahrer beim Rechtsabbiegen eines Nutzfahrzeuges vor. Für dieses Problem gibt es von technischer Seite seit vielen Jahren nicht nur Lösungsvorschläge, sondern konkrete elektronische Lösungen. Es stellt sich die Frage, warum diese nicht gesetzlich verpflichtend eingeführt und auch nachgerüstet werden müssten. Wenn nichts geschieht, schließt sich die Frage an, ob das Rechtsabbiegen von Nutzfahrzeugen zulässig ist.“

Da Problem kann nicht dadurch gelöst werden, dass man dem Rechtsabbieger die Vorfahrt gibt, da er dann immer noch die Fußgänger beachten müsste, was zu allerlei Mißverständnissen Anlass gäbe. Und auch diesen den Vorrang zu nehmen wäre der absolute Wahnsinn.

Anderseits dürfte eine Lösung für nur einen Ort durch die örtlichen Straßenverkehrsbehörden nur dann zulässig sein, wenn tatsächlich örtliche Umstände zur Regelung Anlass geben. Daran habe ich so meine Zweifel, da das Problem flächendeckend vorliegt: „… Die Polizei warnt mittlerweile vor den konventionell angelegten Radwegen, weil diese ‚leider nur eine trügerische Sicherheit bieten‘. Denn in jedem Jahr sterben Radler, die von Rechtsabbiegern übersehen wurden. …“ (aus dem Tagesspiegel vom 10.01.2001 zur Berliner Unfallstatistik 2000). Der Tagesspiegel nannte dann auch den Tod durch Rechtsabbieger „natürliche Todesursache bei Radfahrern“, was einerseits zynisch ist, anderseits in Berlin seine Berechtigung hat.

Die Idee,den gesamten Verkehr in nur eine Richtung laufen zu lassen, also den Wall auf seiner Gesamtheit zur Einbahnstraße zu machen, mit separaten Fahrspuren für Öffentliche Verkehrsmittel Und für Fahrzeuge, die nicht mit fossilen Kraftstoff fahren, ist die Richtung in der die Stadt gehen sollte, es gibt genügend Beispiele, wo das funktioniert (Avignon, Sevilla )

Dann dürften Radfahrer generell nicht rechts von KFZ fahren. Es fahren einfach so die motorisierten Fahrer links neben die Radfahrer, zum Teil nur um noch mal schnell zu überholen vor dem Rechtsabbiegen. Es wird viel zu selten und zu spät geblinkt um davon ausgehen zu können, dass fehlendes Blinken bedeutet, dass nicht abgebogen wird.

Eine Grünphase für Fußgänger und Radfahrer in jede Richtung gibt es seit Ewigkeiten in der Stadt Rheine mehrmals. Zum Beispiel direkt vor dem Hauptbahnhof an der Kreuzung Kardinal-Galen-Rink/Bahnhofstraße. Das ist für mich so alltäglich, dass es mich wundert, dass es so selten gibt. Für Linksabbieger war die Phase etwas kurz, wenn man der Straßenmarkierung folgt und indirekt links abbiegt. Fußgänger müssen wahrscheinlich grundsätzlich zwei Phasen warten, wenn sie die Kreuzung diagonal überqueren wollen. Sicher war es aber allemal.

Auf dem ersten Blick, gefiel mir die Idee des rechts abbiegen zu verbieten sehr gut. Wenn aber LKWs die Straße nur über Umwege einfahren können, wird man auf andere Transportmittel umsteigen. Leider wird dieses wohl eher mehrere Bullies sein statt Elektroräder oder elektrische Kleintransporter. Der Sicherheit wäre aber schon ein Stück geholfen.

Die Lösung ist doch ganz einfach: Kreuzungen nach dem niederländischen Rezept umbauen und kein Radfahrer ist mehr im toten Winkel eines Abbiegers.

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