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Osnabrück

Ist das ein Radschnellweg?

Am Wochenende wurde der Haseuferweg in Osnabrück eröffnet. Über 100 Radfahrer sind aus Bissendorf und Osnabrück zur Feier an der Hase gefahren. Auch Oberbürgermeister Griesert (CDU) war dabei, um das schicke Bändchen durchzuschneiden. Natürlich ist er aber nicht mit dem Fahrrad gekommen, sondern mit Auto und Chauffeur. Wieder mal ein deutliches Zeichen, was er vom Radverkehr hält.

Dass er, der immerhin mal Stadtbaurat von Osnabrück war und damit die Verkehrsplanung in der Stadt verantwortet hat, von Radverkehr nicht viel versteht, merkte man, als er den Haseuferweg als ersten Radschnellweg Osnabrücks lobte. Ich bin die fertiggestellte Strecke von Lüstringen in die Osnabrücker Innenstadt heute mal abgefahren und habe Fotos gemacht. Ist das ein Radschnellweg?

Los geht es erstmal ohne eigene Radinfrastruktur...
Los geht es erstmal ohne eigene Radinfrastruktur…
...ein neuer Abschnitt. Wieder nicht asphaltiert, aber immerhin recht fest.
…ein neuer Abschnitt. Wieder nicht asphaltiert, aber immerhin recht fest.
Aus Richtung Innenstadt wird man rechtzeitig gewarnt, wenn die Senke nicht befahrbar ist.
Aus Richtung Innenstadt wird man rechtzeitig gewarnt, wenn die Senke nicht befahrbar ist.
Immer wieder sieht man schon bei trockenem Wetter einen schlechten Untergrund. Bei Regen gibt es Matsch und viele Pfützen...
Immer wieder sieht man schon bei trockenem Wetter einen schlechten Untergrund. Bei Regen gibt es Matsch und viele Pfützen…
Der letzte Abschnitt in der City.
Der letzte Abschnitt in der City.

Der Haseuferweg ist ein netter Rad- und Fußweg, der in die Kategorie „Fahrradtourismus“ fällt. Man kann hier auch gut einen Sonntagsausflug machen. Aber ein Radschnellweg ist er nun wirklich nicht. Das würde wohl auch niemand sonst aus der Verwaltung behaupten. Es wäre dringend nötig, dass Griesert mal einen echten Radschnellweg „erfährt“. Mit dem Fahrrad. Kann ja auch ruhig ein E-Bike sein, wenn er die Kondition nicht hat. Für eine Stadt wird es aber nicht einfacher, den Radverkehr zu promoten, wenn der Oberbürgermeister nie auf dem Fahrrad gesehen wird. Er sollte eigentlich mit gutem Beispiel voranfahren. Den Konsens „Pro Rad“ hat die Stadt immerhin ausgerufen. Und Schirmherr beim Stadtradeln 2016 ist Griesert auch. Angemeldet hat er sich trotzdem nicht. Obwohl er sich vorab doch „auf eine entspannte gemeinsame Radelzeit“ gefreut hat.

PS: Ich konnte leider nicht bei der Eröffnung des Haseuferwegs dabei sein, weil ich am Wochenende in Amsterdam war – wo ein durchschnittlicher Radweg deutlich besser ist, als dieser angebliche Radschnellweg…

Update 25. Juni

So sieht es dann übrigens nach Regen aus…

Bilder: ht

15 Antworten auf „Ist das ein Radschnellweg?“

Schön, dass Du das Thema aus aktuellem Anlass auch mal aufgegriffen hast. Ich verfolge ja schon seit Jahren die Entwicklung und war auch bei Begehungen für den ADFC aktiv dabei. Auf meiner Website gibt es dazu eine über die Jahre gewachsene – dadurch vielleicht manchmal etwas unübersichtliche – Dokumentation: http://www.cyclingeurope.de/contents/rvk/haseuw/hase.html

Ergänzend wäre vielleicht anzumerken, dass es zwei sehr problematische Übergänge vom HUW auf Straße und umgekehrt gibt: Wachsbleiche und Heideweg. Apropos Wachsbleiche. Bei Dir hört der HUW mit dem Steg in der City auf? Die Strecke bis Eversburg/Büren gehört auch dazu. Dort gibt es ja wenigstens fast glatte und gepflegte Abschnitte, wie man sie sonst nur aus anderen Städten kennt. Bin gestern auf dem Emsauen-Radweg an der Emsdettener Innenstadt vorbei geradelt, auch geschottert, aber mit kleinen runden (!) Schottersteinen, topfeben und entsprechend gut zu fahren.

Selbst für eine touristische Route ist die Qualität nicht sehr berauschend, wenn man sich die Fotos anschaut: enge unübersichtliche Kurvenradien mit hohem Unfallpotential, schlechte Wegeoberfläche (Pfützen, Plattenbelag, rissiger Asphalt,…) und dann noch Poller als unzulässige Einbauten auf Radwegen (http://adfc-blog.de/2014/05/poller-auf-radwegen/).

Das eine Stadt sich für so etwas Stolz auf die Brust schlägt, ist schon traurig!

Wenn eure Stadtverwaltung mal Nachhilfe bezüglich Radschnellwegen braucht, dann mal hier nachlesen:
http://www.agfs-nrw.de/fachthemen/radschnellwege.html

Radwege mit vernünftiger Infrastruktur sind politisch nicht durchsetzbar. Insgesamt interessiert das keine Sau. Hier in der so fahrradfreundlichen Stadt Freiburg werden zwar gerne solche Vorzeigeprojekte wie der Radschnellweg http://www.besser-unterwegs-in-freiburg.de/reports/249a6e0c-20ee-494f-9ce5-be5a602c13c4 gebaut, aber insgesamt ist das Radwegenetz jetzt auch nicht das vorrangige Projekt der Verkehrsplanung. Zuerst kommt das Auto, dann das Auto, dann das Auto, dann der ÖPNV, dann lange nichts, dann Fußgänger und dann das Rad.

Mit Radlern gewinnt man keine Wahl und verkauft auch keine Autos. Leider keine interessante Zielgruppe.

Bis der erste KM RS 1 eröffnet ist, hat er ja noch ein paar Jahre üben auf der Musterstrecke mit Standards unter den selbst gesteckten Standards zwischen Mühlheim und Essen …

NICHT ALLES SCHLECHT!
Also ich finde zumindest Bild 1 komplett ausreichend.
Einigermassen breit, halbwegs guter Asphalt, guter Radius. Sozusagen alles da was Radverkehr braucht. Von 8-88 gut befahrbar.

Der Rest sieht natürlich ziemlich mies aus. Die übichen schmalen Holperstrecken. Langsam, Sturzgefahr, anstrengender Belag, falsche Radien, zusätzliche Steigungen, …, …, …

Radweg halt.

Warum?
Für 8-jährige usw. gibts den Gehweg bzw. evtl. freigegebenen Gehweg, ansonsten kann die Fahrbahn problemlos von älteren Kindern bzw. jungen Erwachsenen befahren werden.
Wenns doch Stress geben sollte muss der Autoverkehr eben entsprechend reguliert werden.
Also in Bezug auf Bild 1: keine Ironie im Spiel.
Gerade für die Gruppe der Jüngeren (und gerade auch der Älteren) sind Radwege ja oft Todesfallen, da z.B. seltenst auf ausreichende Sicherheit bei den ganzen durch Radwege notwendigen Querungen geachtet wird.
An Querungsstellen müsste da der MIV T30 oder T20 erhalten, etc. etc.
EIGENTLICH ist das ja auch alles bekannt, auch wenn die Radwegeritis in Zeiten rasant steigenden Autoverkehrs jetzt wieder eine Renaissance als Anti-Stau Programm erfährt, wobei dann am Ende noch mehr Autos noch längere Strecken zurücklegen können/werden.

Die Stadteinwärts-Passage ab „Auf dem Gehren“ bis Sandforter Straße sei noch erwähnt: Grobschotter mit Matsch gemischt, dann eine ausgefahrene einspurige Matschrinne zwischen Kleingarten und Bahn (kurz vor Bahama Sports), der Bahnübergang Hasewinkel ist ok, dann aber nur noch durchgeweichte Lehmstrecke, welche von landwirtschaftlichen Großfahrzeugen regelmäßig tief ausgefahren wird. Und derzeit auch noch eine Großbaustelle, deren Baufahrzeuge dem Haseuferweg den Rest geben.

Die Chance, endlich eine gute radfreundliche Alternative zur Mindener Straße zu generieren, ist vertan. Verschlimmbessern nennen wir das. Schade.

Dieser Abschnitt wurde 2003 „begangen“. Es hat dann neun Jahre gedauert, bis der Weg in seiner jetzigen Form 2012 gebaut worden ist. Hübsch die Brücken, der Rest eine Katastophe. Neulich kam mir auf dem einspurigen Matschweg auch noch eine Mähmaschine entgegen. Der Fahrer war so geistesgegenwärtig, dass er den Rückwärtsgang eingelegt hat.
Übrigens hat OB Griesert in seiner launigen Rede zur Eröffnung des neuen HUW-Abschnittes dem Umbau der Mindener Straße eine eindeutige Absage erteilt: Der Haseuferweg habe eindeutig Priorität…
Was nützt den Anwohnern der Mindener ein HUW, wenn sie sich erst einmal in das Vierspur-KFZ-Wettrennen stürzen müssen, um den HUW überhaupt erreichen zu können?
Also: Mindener Straße radfahrgerecht umbauen. Ich habe auf meinem Weg zur Arbeit in Lüstringen jahrelang sämtliche Wege erfahren. Zum Ausbau der Mindener gibt es keine Alternative! Jetzt arbeite ich in Gaste und nehme 6 Kilometer Umweg in Kauf, um den Stadtverkehr möglichst zu umfahren. Im Sommer geht das. Im Winter hilft nur kürzeste Strecke, Augen auf und durch.

Falls sich jemand den Weg überflutet ansehen will, so ist das zur Zeit möglich. Aus Richtung Lüstringen kommend funktioniert die rote Warnlampe auch offenbar nicht. Aber auch der Teil des Weges um das Umspannwerk herum ist unter Wasser.

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