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Radverkehr

„Sieben-Städte-Tour“ zur Lastenradmobilität

Es gab im April eine Pressemitteilung aus dem niedersächsischen Verkehrsministerium. Hier die Version, die ich favorisiert hätte. Man muss gar nicht so viel ändern…

Lies: „Wir müssen uns stärker engagieren, damit Lastenräder den Durchbruch schaffen“

„Wir müssen uns sehr viel stärker engagieren, damit Lastenräder den Durchbruch auch auf dem deutschen Markt schaffen. Das Land Niedersachsen hat die Bedeutung von Lastenrädern erkannt und wird in diesem Jahr mit gutem Beispiel vorangehen.“ Mit diesen Worten begründete Wirtschafts- und Verkehrsminister Olaf Lies heute (14. April) auf der Hannover Messe eine Doppelstrategie des Landes. Zum einen wird sich das Wirtschafts- und Verkehrsministerium ab Mitte Mai als Veranstalter einer bundesweit bislang einmaligen „Sieben-Städte-Tour“ engagieren – „und so die Lastenräder direkt zu den Menschen bringen“, wie Minister Lies erklärt. Zum anderen fordert das Land in einer heute im Kabinett beschlossenen Bundesratsinitiative massive staatliche Kaufanreize für Privatleute bei Anschaffung eines Lastenrades.

Die Sieben-Städte-Tour:

Mit Bullit, Babboe, Bakfiets, Gazelle und nihola beteiligen sich fünf namhafte Hersteller an der Sieben-Städte-Tour – außerdem ist der ADFC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt mit an Bord. Die Partner stellen pro Stadt insgesamt 30 Lastenräder bei zweitägigen Wochenendveranstaltungen zur Verfügung. So können jeweils rund 1.000 Interessenten pro Stadt die Fahrzeuge bei kostenlosen Probefahrten testen. Die Partner werden während der Veranstaltungen auch mit Messeauftritten präsent sein, um Besucher zu informieren und zu unterhalten.

Die Metropolregion Hannover Braunschweig Göttingen Wolfsburg wird zudem Besucherinnen und Besucher in einem Themenzelt informieren. Bei der Roadshow runden ein Rahmenprogramm, das mit Moderation, Musik und Fahrradpräsentationen in einem mobilen Tribünenrund gezeigt wird, sowie zahlreiche weitere Aktivitäten (E-Bikes, Segways, Pedelecs) das Programm ab. So bietet die Landesverkehrswacht auf einem Parcours spezielle Trainingsprogramme für E-Bikes an. Es werden auch kleinere Touren möglich sein.

Minister Lies zur Sieben-Städte-Tour:
„Ich bin überzeugt davon, dass Lastenräder bereits heute wegen niedrigerer Anschaffungskosten auch für Privatleute wirtschaftlich interessant sind. Nach einer Untersuchung des Fraunhofer-Institutes haben 60 Prozent der privaten Pkw-Nutzer eine Garage oder einen festen Stellplatz am Haus. Ein sicherer Abstellplatz ist also problemlos zu Hause vorhanden. Die meisten Fahrten mit dem Auto in Städten sind nicht länger als 5 Kilometer. Es gibt hier also kein wirkliches Reichweitenproblem im Alltag. Wir glauben aber, dass trotzdem viele Menschen noch Schwellenangst bei dem Thema haben und deshalb nicht gerade die Fahrradläden stürmen. Daher ist das Konzept der Sieben-Städte-Tour mit dem Untertitel, ‚Mobilität neu erfahren‘ genau richtig: Die Menschen kommen im Moment (noch) nicht zu diesen Lastenrädern. Deshalb bringen wir die Lastenräder zu den Menschen.“

Und hier geht es zur Wahrheit…

Teaserbild: R. Roletschek, Lizenz: CC-BY-SA

14 Antworten auf „„Sieben-Städte-Tour“ zur Lastenradmobilität“

Dazu müsste Autofahren massiv teurer werden.
Als Besitzer und Nutzer eines Lastenrades nutze ich dieses in erster Linie weils Spaß macht und zweitens weil es auf kurzen Strecken im Stadtgebiet (meist) schneller ist. Rein wirtschaftlich ist die Amortisierungszeit recht lang. Selbst bei Autoverzicht (welchen ich nicht praktiziere). Autoverzicht heißt nämlich auch häufig ÖPV zu nutzen. Und der ist teuer, weil durch wenige Nutzer schwer zu finanzieren. Den ÖPNV muß man in OS zum Glück nur sehr selten nutzen (eigentlich nie) – der ist nicht nur kostentechnisch katastrophal….

Hallo JFritz,

Was für Kosten rechnest Du denn für ein Auto? Es gab vor ein oder zwei Jahren einmal einen Bericht, dass der durchschnittliche Deutsche über 50 Jahre seines Lebens etwa 5000€ pro Jahr ausgibt. Dabei sind die tatsächlichen Kosten incl. Abschreibung, etc. einbezogen. Ein Lastenrad amortisiert sich viel schneller, als es der ADAC wahrhaben will. Ich habe zwar kein Lastenrad sondern einen Anhänger. Den benutze ich aber nicht aus Spaß, sondern um verschiedene Dinge des wöchenlichen Bedarfs zu transportieren, v.a. Lebensmittel. Ich habe auch noch ein Faltrad, welches ich meist in Kombination mit dem Zug benutze. Das hat sich in ungefähr 6-7 Jahren amortisiert, wenn man die gesparten ÖPNV-Kosten bedenkt.
Nun ja, dass sich der Lastenanhänger (Umbau aus einer Kinderkarre) schon lange amortisiert hat, muss ich ja nicht betonen.
Ach ja, ich bin autofrei – seit über 20 Jahren und habe in der Zeit sogar ein Kind großgezogen – ohne Auto. Das geht, wenn man will. Aber wer will das schon?
Was den ÖPNV in Osna betrifft, kann ich Dir aber voll zustimmen. Man kann das nur mit entweder vollständiger Blödheit der Planer oder Korruption durch die Automobilindustrie erklären. Etwas anderes fällt mir dazu irgendwie nicht ein.

Gebrauchtwagen – Haftpflichtversicherung (keine Kasko)- Steuern – TÜV. Macht an Fixkosten nicht mehr als 1000 € im Jahr und geht auch noch billiger. Falls du mit Kind verreisen möchtest und auf ÖPV angewiesen bist wird fast jede Reise teurer als die Spritkosten und meist auch komplizierter. Einmal im Monat zu den Schwiegereltern (ca. 100 km ein Weg) macht dann schon die Hälfte der Fixkosten weg.

Noch eine Anmerkung zum Artikel:
Es ist schon erstaunlich wie dick das Brett vor’m Kopf (ich behaupte mal) der meisten Politiker und Verwaltungsmenschen in puncto (Lasten)Fahrrad doch ist.
Es gab vor nicht all zu langer Zeit ein DLR-Projekt namens „Ich ersetze ein Auto“ (http://www.ich-ersetze-ein-auto.de/) bei dem ziemlich klar nachgewiesen wurde, dass Lastenfahrräder auch im kommerziellen Bereich einen ansehnlichen Anteil an Transporten übernehmen können, mit all den postitiven Effekten wohlgemerkt.
Das ist vielleicht auch interessante Information für private Anwender.
Ach ja, noch ein Tipp:
Wer ein gebrauchtes Lastenrad (z.B. Bakfiets) sucht, sollte es ‚mal in den NL versuchen: http://www.marktplaats.nl/z.html?query=bakfiets&categoryId=445&postcode=&distance=0 (ist ja nicht so weit weg von Osna)
Ich hatte beinahe eins für 600€ gekauft, bevor ich mir doch meinen Anhänger umschraubte (Kosten ~100€).

Wichtig in diesem Zusammenhang wäre eine Änderung der StVO, damit auch Kinder/Personen, die älter als 7 Jahre sind, mit einem Lastenrad mitgenommen werden dürfen, ohne dass das Lastenrad gleich eine Rikscha sein muss.
Gerade mit Kindern gibt es oft die Situation, dass man sie schnell wohin bringen möchte und selbst radeln lassen aus verschiedenen Gründen blöd ist (z. B. verkehrstechnisch ungeeignete Strecke, Abholaktionen, schlechtes Wetter, wenig Zeit). Die normale Familie nimmt da das Auto, die autofreie Familie hat ein Problem, weil Kinder ab 7 selbst radeln müssen und nicht mehr mit dem Fahrrad transportiert werden dürfen.

Da hast du selbstverständlich recht.
Ich transportiere mit dem Ding auch meine Frau (und mein Kind).
Da kräht (zu Recht) kein Hahn nach.
Aber der Rechtssicherheit wegen hast du natürlich recht.

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