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Radverkehr

Deutschland eine Fahrradnation?

Ich musste gerade ein wenig stutzen, als ich die Artikel-Überschrift Cycling Solutions: Why Germany Has All The Answers gelesen habe. Deutschland soll ein Vorbild in Sachen Radverkehr sein?
Nun ja, der Autor Fabian Küster erkennt: Germany’s fast becoming one of Europe’s most impressive (and largest) cycling nations.

Die Gründe dafür deutet er meiner Meinung nach aber zumindest zum Teil falsch. Richtig ist, dass der Anteil der Radfahrer im deutschen Verkehr kontinuierlich steigt. Dass aber der neue Nationale Radverkehrsplan (auch nach seiner Überarbeitung) diesen Trend befördert, denke ich nicht. Und auch die Überschrift trifft meiner Meinung nach nicht zu. Deutschland hat eben nicht die Antworten! Wenn Deutschland sie hätte, dann könnte der Anteil der Radfahrer am Verkehr noch deutlich mehr ansteigen. Das Ziel der Bundesregierung sind 15 Prozent im Jahr 2020. Allerdings liegen wir jetzt schon bei 14,5 Prozent. Warum erkennt das Verkehrsministerium diesen Trend nicht an und steckt ambitioniertere Ziele? Antwort: Weil sie dann auch ernsthaft etwas dafür tun müsste.

Denn, und das erklärt die Sprecherin vom ADFC, das Fahrrad hat seine Popularität einer Bewegung von unten zu verdanken. Ausgehend von einer kleinen gebildeten, urbanen Bevölkerungsschicht wird das Fahrrad immer beliebter. Die Politik sieht diesen Trend zwar, hängt mit ihren Maßnahmen aber hinterher. Siehe Nationaler Radverkehrsplan. Bewusst? Ich denke ja. Der Verkehrsminister sieht, dass seine Ziele auch ohne eigenes Zutun erreicht, ja sogar übertroffen werden. Warum also handeln?
Antwort: Weil im Fahrrad noch so viel mehr Potenzial steckt. Wie viele Menschen würden sich erst aufs Rad schwingen, wenn sie eine sichere und flächendeckende Radinfrastruktur in den Städten vorfänden? Das sind Grundlagen, die nur die Politik schaffen kann. Beispiele wie Münster oder Freiburg zeigen, dass noch viel mehr möglich ist.

Fabian Küster nennt zwar Beispiele wie München, wo es Beauftragte für den Radverkehr und auch wirklich große Erfolge gibt. Diese Beispiele sind aber (noch) Ausnahmen. Es gibt nämlich auch die andere Seite, wo genauso viel Geld ausgegeben wird, am Ende aber ein Flickenteppich entsteht, der mit einem Radwegenetz nicht viel zu tun hat.

Insofern klingt es verheißungsvoll, wenn der ADFC mit einen Radfahreranteil von bis zu 40 Prozent in Städten in den nächsten fünf bis zehn Jahren rechnet. Aber ob eine Bewegung von unten es auf einen so hohen Wert bringen kann ist fraglich. Dieser Wert kann nur erreicht werden, wenn die Verkehrsplaner den Radfahrern auch endlich entgegenkommen!

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