Ich weiß nicht, ob es was mit der morgen stattfindenden ADFC-Fachtagung „Sichere Kreuzungen für den Radverkehr“ zu tun hat, aber heute meldet sich auch der ADAC zu eben dem Thema. In einem Praxistest hat der Autoclub Kreuzungen und Grundstücksausfahrten in den Blick genommen, weil es dort am häufigsten zu Zusammenstößen von Fahrradfahrern und anderen Fahrzeugen kommt. Das Ergebnis sei zwar relativ positiv, aber insgesamt 13 Prozent der Testrouten fielen mit „mangelhaft“ und „sehr mangelhaft“ durch, 28 Prozent waren nur ausreichend.

Um die Sichtbeziehungen an Kreuzungen zu verbessern, empfiehlt der ADAC Kommunen neben Pollern, die das Parken im Kreuzungsbereich verhindern sollen, und vorgezogenen Haltelinien vor allem, Radwege im Kreuzungsbereich nahe am Autoverkehr zu führen.

So sieht aus Sicht des ADAC eine sichere Kreuzung für Radfahrer aus: 1. Der Radweg wird im Kreuzungsbereich zur Fahrbahn geführt 2. Die Haltelinie für Radfahrer liegt mindestens drei Meter vor der für den Kfz-Verkehr 3. Die Ampel für Radfahrer schaltet früher auf Grün als die für den Kfz-Verkehr 4. Der Radweg ist im Bereich der Einmündung farbig markiert 5. Der Bordstein ist auf Fahrbahnniveau abgesenkt.

Beim ADFC sieht man das allerdings anders. Immer häufiger kommen Forderungen nach geschützten Kreuzungen, die es in den Niederlanden bereits gibt und in anderen Ländern wie den USA und Kanada adaptiert werden. Hier wird der Radweg aber bewusst von der Fahrbahn entfernt, sodass Radfahrer nicht schräg hinter Autos im Toten Winkel fahren, sondern vom Autofahrer beim Abbiegen fast im rechten Winkel durchs Beifahrerfenster gesehen werden können.

Beide haben vermutlich recht. Die Fahrradclub-Variante scheint ideal, aber an kleineren Kreuzungen nicht immer möglich. Dem Autoclub wird der ADFC sicher zustimmen, dass gute Sichtbeziehungen enorm helfen. Allerdings ist seine Variante schon heute oft vorhanden und verhindert trotzdem nicht, dass Radfahrende angefahren werden. Denn hier ist der klassische Schulterblick nötig, den viele nicht machen und vor allem ältere Autofahrer zum Teil auch gar nicht mehr hinkriegen (persönliche Einschätzung nach Beobachtungen, auch in der Familie…).

Worin sich sicher beide Clubs einig sind, ist die Forderung von ADAC-Vizepräsident Gerhard Hillebrand: „Vor allem aber brauchen wir ein rücksichtsvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer.“