Ich drehe die Geschichte um den Parkstreifen am Kurt-Schumacher-Damm, der von vielen Privat- und Werbeanhängern vermutlich kostenlos genutzt wird und somit wertvollen Straßenraum für geschützte Radfahrstreifen wegnimmt, noch weiter und habe mir am Sonntag zwei weitere Ausfallstraßen angeschaut. Diese stehen für viele weitere Ausfallstraßen in allen deutschen Städten. Das Bild ist fast überall ähnlich.

Ein besonders krasses Beispiel für mangelhafte Radverkehrsinfrastruktur ist die Hannoversche Straße in Osnabrück, die die Innenstadt mit dem äußeren Stadtteil Voxtrup verbindet und dabei durch ein Industriegebiet führt. Auch hier gibt es für Radfahrer lediglich zwei schmale Radfahrstreifen, obwohl der übrige Straßenraum Platz für Gehwege, vier Fahrspuren und eine fünf Meter breite Mittelinsel hergibt.

Neben Werbeanhängern findet man hier auf den Parkstreifen besonders viele LKW, die auch noch zu breit sind und auf den ohnehin schmalen Radfahrstreifen ragen. Ein Teil dieser LKW gehört einer ansässigen Autovermietung, die anscheinend so sehr gewachsen ist, dass ihr eigenes Betriebsgelände für die Fahrzeugflotte nicht mehr reicht. Also wird einfach in den öffentlichen Raum expandiert. Problem gelöst.

Auch hier wäre es fast durchgehend ziemlich einfach, geschützte Radwege anzulegen. Am Ende des Videos sieht man, wie das aussehen kann. Lediglich auf den Schutz des Radfahrstreifens hat die Stadt verzichtet (was gleich einen Autofahrer zum Telefonieren eingeladen hat). Verbreitert hat sie ihn aber deutlich. Parkplätze gibt es dort stadteinwärts nicht mehr. Das muss auch das Ziel für die restliche Strecke sein, damit der Stadtteil Voxtrup auch für Radfahrer gut angebunden ist.

Ein weiters Beispiel ist die Hermann-Ehlers-Straße in Sutthausen. Der Werbeanhänger des Immobilienmaklers, der kürzlich noch am Kurt-Schumacher-Dann stand, hat es inzwischen hierher geschafft. Darüber hinaus weitere Anhänger, LKW und wenige Autos. Radfahrer müssen sich hingegen mit einem alten und in schlechtem Zustand befindlichen Hochbordradweg zufrieden geben.

Ich bin der Meinung, dass Privateigentum auf Privatgrundstücke gehört und Firmenfahrzeuge auf Betriebsgelände. Dann wird im Straßenraum auch wieder Raum frei für die lange vernachlässigten Verkehrsteilnehmer.

Foto: dd