Dass kein Fahrradschloss hundertprozentig sicher ist, sollte sich eigentlich schon rumgesprochen haben. Schwachstellen gibt es immer, meist ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch das dickste Schloss knacken lässt. Das mussten nun auch die Erfinderinnen des tex-lock aus Leipzig erfahren. In acht Sekunden hat es jemand mit einer kleinen Säge geschafft und das Video auf youtube gestellt.

Das ist natürlich bitter für ein Start-Up, das bisher mit Lob überschüttet wurde. Nicht zu unrecht. Das tex-lock ist zweifelsohne ein schickes, leichtes Schloss. Dass es aus Textilien besteht, macht es umso interessanter. Wurde während der Crowdfunding-Phase also zu viel versprochen? Das muss nun jeder für sich beantworten. Viele sehen es so. Bei tex-lock ist man um Schadenbegrenzung bemüht. „Jedes Schloss hat einen Schwachpunkt und kann mit dem richtigen Werkzeug und der richtigen Technik zerstört werden. Seit das tex—lock als Serienprodukt existiert, haben wir es mit einer Stahlkette verglichen und dem gesamten Produkt eine gute mittlere Sicherheit zugewiesen.“

Allerdings wird auch zugegeben, dass man die frühen eigenen Erwartungen nicht erfüllen konnte. „Als wir unser Projekt in der Crowdfunding-Phase vorgestellt haben, hatten wir einen Prototyp unseres tex—locks im Kopf, der allen Angriffen mit Handwerkzeugen standhalten sollte. Wir haben diese Vision illustriert und mit allen Kickstartern geteilt. In der weiteren Entwicklung zeigte sich aber, dass zum Start nicht alles an dieser Überlegung zu 100% in die Serienreife zu übersetzen war. Wir haben unsere Unterstützer über diesen Projektverlauf informiert und bei der Markteinführung sehr darauf geachtet die Einschätzung des tex—lock klar zu formulieren.“

Man sollte das Video jetzt also nicht überbewerten. Es gibt hunderte davon zu den verschiedensten Schlössern. Wie gesagt, keines ist unknackbar. Für wen das tex-lock jetzt nicht mehr infrage kommt, kauft es einfach nicht und gut. Schlimmer als die „doch nicht hundertprozentige Sicherheit“ ist allerdings, was sich um diese vermeintlich enttäuschten Erwartungen im Netz entwickelt hat. Was sich Alexandra und Suse da „anhören“ müssen ist schon ein starkes Stück. Nur drei äußerst dumme Beispiele:

…Das kommt davon wenn Gendermainstreaming auf die reale Welt losgelassen wird! Armes Deutschland ! Die grösste Volksverarsche

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…hier erfüllen wieder drei Startup-Frauen alle Vorurteile zum Thema Frauen, Startups und technische Kompetenz 🙂 Ich schätze es sehr, wenn mein einfaches Weltbild bestätigt wird … Ich hoffe die haben einen Plan B, evtl. ja heiraten und Kinder zeugen.…


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Frauen können vielleicht andere Dinge besser…. Aber aus Entwicklung und Technik sollen die sich raushalten….


…ich würde für die nächste Version eine Cashmere-Seide-Mischung empfehlen, vielleicht mit Schlaufen aus echtem Krokodilleder….




Alexandra und Suse wehren sich gegen halbwegs sachliche Anschuldigen auf ihrem Blog. Der Rest ist wohl ein Fall für Reconquista Internet

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