Mit Autos verschwinden die Kunden? Von wegen! Stuttgart hat 2013 den Autoverkehr in der Tübinger Straße deutlich reduziert, in dem man „eine Fläche für alle“ geschaffen hat. Autos hatten von da an nicht mehr Vorrang, sondern sind mit allen Verkehrsteilnehmern gleichgestellt. Geparkt werden darf nicht mehr. Erlaubt ist nur noch das Halten zum Be- und Entladen.

Die Straße ist entspannter, lädt ein zum Flanieren.

Auch wenn eine Einzelhändlerin im Video unten noch den Parkplätzen nachtrauert, muss sie zugeben, dass es für die Straße an sich die richtige Entscheidung war. Die Tübinger Straße in Stuttgart ist also ein schönes Beispiel dafür, dass weniger Autoverkehr eben nicht weniger Umsatz bedeutet. Im Gegenteil, wie einer der ansässigen Wirte bestätigt: Das Viertel sei einladender und lebhafter geworden.

Es ist schade, dass die Parkplätze weg sind, es ist aber für die Qualität der Straße besser, dass sie weg sind.

Und was sagen die Radfahrer? Laut Alban Manz, Stuttgarter Radaktivist und tief verwurzelt in der Critical Mass-Szene der Stadt, ist es durch die Änderung zwar besser geworden, optimal ist es aber noch nicht: „Der Autoverkehr hat durch die Umgestaltung zwar abgenommen, aber zu bestimmten Zeiten merkt man davon kaum was. Dann reiht sich ein Auto an das nächste und das flächig ausgewiesene Parkverbot wird von vielen Autofahrern konsequent ignoriert. Die Stadt kommt mit Kontrollen nicht hinterher, und hat in ihrer Verzweiflung schon Sitzbänke aufgestellt, die ein Parken verhindern sollen.“ So ist das eben mit Autofahrern – sie nehmen sich ihren Platz

Wenn der Radverkehr weiter zunimmt, könnte es laut Alban schwierig werden: „Wenn auf dieser so genannten ‚Hauptroute‘ in Zukunft noch mehr Radfahrerinnen und Radfahrer unterwegs sind, könnte es komplizierter werden. Fußgänger dürfen die Fläche ja gleichberechtigt nutzen. Mit 20 km/h kommt man dann nicht mehr durch.“ Auf die Frage, wie es momentan denn funktioniere antwortet er: „So lala.“ Außerdem würde das verlegte Pflaster den Auto- bzw. Lieferverkehr nicht aushalten. „Jetzt brechen allerorten die Platten und werden kurzerhand mit Asphalt ausgefüllt. Richtig schönes Flickwerk, man könnte auch sagen Pfusch. Sieht innerhalb von wenigen Jahren übel aus und ist dazu noch total holprig.“

An Details kann die Stadt also noch arbeiten. Aber die Idee, den Raum umzuverteilen und alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt zu behandeln, scheint genau richtig zu sein. Ob nun wirklich noch Kühe fehlen, wie in Indien, lassen wir mal dahingestellt… 😉

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