Die Themen Parken und Falschparker haben in letzter Zeit ein bisschen an Fahrt aufgenommen. Es gab eine Petition, die höhere Bußgelder für Falschparker fordert, im ganzen Land gibt es tumblr, die vorzugsweise Radwegparker dokumentieren und auch ich hatte hier kürzlich Beiträge zu Gratis-Parkplätzen und Flächenaneignung von Autofahrern.

Dann hat irgendjemand gesagt, dass Radfahrer ihre Fahrräder (auch) überall „wild“ abstellen. Und ich habe mal überlegt, ob man das vergleichen kann und was „wild“ überhaupt bedeutet. Im Prinzip ist jedes Fahrrad, das nicht an einen Fahrradbügel oder einen Fahrradständer angeschlossen ist, wild geparkt. Denn freie Flächen, die explizit als Fahrradparkplatz ausgewiesen sind, fallen mir nicht wirklich ein.

Wie soll man dagegen also argumentieren? Man kann sich zum Beispiel mal die Situation vor seiner Haustür anschauen. Bei mir wäre das ein 200 Meter langes Stück zwischen zwei Querstraßen. Hier gibt es 65 PKW-Parkplätze, aber lediglich neun Fahrradbügel. Und das ist wahrscheinlich noch ein gutes Beispiel. Denn sechs davon stehen vor einer Kita, wo sie wegen der Bauverordnung vermutlich vorgeschrieben sind. Oft gibt es aber überhaupt keine Bügel. Wie zum Beispiel im nächsten Abschnitt „meiner“ Straße.

Rechts Autos, links Autos. Und in zweiter Reihe auch...

Rechts Autos, links Autos. Und in zweiter Reihe auch…

Man kann den Blick aber auch auf die Innenstadt erweitern. Die nackten Zahlen für Osnabrück:

– 850 Fahrrad-Stellplätze
– 141.000 Fahrräder
– (über) 5.000 PKW-Parkplätze
– 77.099 PKW

Ein Missverhältnis sieht selbst die größte Mathe-Niete auf den ersten Blick. Die 850 Fahrrad-Stellplätze habe ich aus einer Sitzung des Runden Tisches Radverkehr, die 141.000 Fahrräder sind auf Datenbasis von destatis errechnet. Bei 71 Millionen Rädern und 80,62 Millionen Einwohnern in Deutschland sind das 0,88 Fahrräder pro Einwohner. Bei 160.121 Osnabrückerinnen und Osnabrückern macht das eben 141.000 Fahrräder. Die Anzahl der Innenstadt-Parkplätze für PKW habe ich von der Homepage der Stadt, ebenso die 77.099 zugelassenen PKW.

Aus diesen Zahlen folgt, dass sich 167 Fahrräder einen einzigen Stellplatz teilen müssen, aber nur 15 Autos einen Parkplatz. Das kann man jetzt bewerten, wie man will. Aber wer mit dem Argument wildgeparkter Fahrräder kommt, der sollte sich diese Zahlen noch mal kurz vor Augen führen. Und dann könnte man sich in einer Feldstudie auch noch mal anschauen, wie viele falschgeparkte Fahrräder andere Verkehrsteilnehmer behindern oder gefährden und wie viele falschgeparkte Autos das tun. Man muss kein leidenschaftlicher Radfahrer sein, um sich denken zu können, wer auch diese Statistik anführen dürfte.

Ein Stellplatz für 167 Fahrräder – ein Parkplatz für 15 Autos…

Meine Schlussfolgerung daraus ist aber nicht mal die gleichberechtigte Aufstockung der Fahrrad-Stellplätze. Es dürften zwar noch ein paar Bügel mehr sein, damit (vor allem hochwertige) Fahrräder immer irgendwo angeschlossen werden können, insbesondere in Wohngebieten. Hier könnte man auch den einen oder anderen PKW-Stellplatz umwidmen. Aber die Stadt tut auf diesem Gebiet ja bereits was. Und außerdem ist es doch gerade ein praktischer Aspekt des Radfahrens, dass man (fast) überall hin kommt und das Rad auch (fast) überall abstellen kann.

Dem trägt auch das Gesetz und geltende Rechtsprechung Rechnung. Fahrradparken gehört nämlich zum sogenannten Gemeingebrauch an öffentlichen Straßen. Solange man niemandem den Weg versperrt, spricht auch nichts gegen das Abstellen auf dem Gehweg. Spezielle Parkverbote für Fahrräder sieht die Straßenverkehrs-Ordnung (StVO) nicht vor, weshalb man auch Fahrradparkverbotsschilder in Fußgängerbereichen nicht beachten muss (BVG, 3 C 29.03). Insofern gibt es also gar keine „Wildparker“…

Da es aber viele mit der StVO eben nicht so genau nehmen, wünsche ich mir als Fazit ein gesteigertes Bewusstsein bei allen Verkehrsteilnehmern, die mit ihren falschgeparkten Gefährten andere behindern und gefährden. Und das sind nun mal in der Regel Autofahrer. Also bitte, sucht euch einen richtigen Parkplatz, davon gibt es genug. Oder haltet auf der Fahrbahn. Aber nicht auf dem Radweg! Oder besser noch: fahrt selber Rad!

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