Kategorien
Licht Radverkehr

Wo gucken die Leute eigentlich hin beim Radfahren?

Aus gegebenem Anlass – es war auf dem Heimweg von der Arbeit gerade wieder sehr nervig – noch mal ein Kommentar zu Radfahrern mit Licht. Was ja prinzipiell schon mal gut ist, aber eben auch seine Tücken hat. Nämlich dann, wenn das Licht eines entgegenkommenden Radfahrers so schlecht eingestellt ist, dass es einem das Augenlicht nimmt. Überspitzt formuliert. Hier also ein Kommentar von H. David Koßmann vom pressedienst fahrrad.

Seit Wochen finde ich mich in einer Zwickmühle. Ich lege einen Großteil meiner Wege in dieser Jahreszeit im Dunkeln zurück. Einerseits genieße ich dabei die großartige Beleuchtung, die ich – wie viele andere – am Rad habe. Andererseits stören mich die ganzen Blender massiv: Etwa jedes dritte Rad leuchtet sonst wohin, aber nicht auf die Straße. Ich schaue dann oft genau hin und versuche zu erkennen, warum ein Scheinwerfer blendet. Das Ergebnis: Entweder sind sie billig und haben keine StVZO‐Zulassung, etwa wegen nicht vorhandener Hell‐Dunkel‐Grenze, oder sie sind schlicht falsch eingestellt. Letzteres passiert ja mal beim Abstellen des Rads und ist auch fix behoben – vielleicht sollte man den Scheinwerfer mal wieder festschrauben.

Man muss es aber im Blick haben. Hat man doch aber auch, oder? Ich meine: Wo gucken die Leute denn hin beim Radfahren? Bekommt der mich ungebeten erleuchtende Mensch tatsächlich nicht mit, wie störend das ist?

Wichtiger: Was soll ich denn tun? Kann ich konsequent in die halbe Sekunde des einander Passierens ein „DU BLENDEST!“ reinrufen? Nichts anderes als die Lichthupe am Auto, wenn mal einer das Fernlicht vergessen hat. Doch das wäre so typisch deutsch‐oberlehrerhaft; so einer will ich nicht sein. Aber besteht nicht doch eine Chance, dass der Mensch es tatsächlich noch nicht wahrgenommen hat – und sogar dankbar für den Hinweis ist?

Wo gucken die Leute denn hin beim Radfahren?

Gerne würde ich mich im Dienste der Allgemeinheit auf die Fahrradstraße stellen mit einem großen Schild: „Hilfe beim Licht einstellen!“ Oder wäre das übergriffig, so ganz typisches Mansplaining? Apropos übergriffig: Ich habe schon, dazu bekenne ich mich hier jetzt mal, bei geparkten Fahrrädern den offensichtlich himmelwärts zeigenden Scheinwerfer richtig(er) eingestellt. Öfters. Und mich dabei immer gefragt, ob das noch Hilfsbereitschaft oder schon Zwangshandlung ist.

Ebenso trifft mein fast schon verachtendes Unverständnis all die Fahrradhersteller und Fach(!)-Magazine, die regelmäßig irrwitzig eingestellte Scheinwerfer an Rädern ablichten. Gerade die müssen das doch wissen?! Ich reagiere da mittlerweile ähnlich allergisch wie auf gespiegelte Fahrradfotos. Okay, das ist jetzt vielleicht wirklich beängstigend kleinlich.

Früher konnten wir Radfahrer uns nicht derart danebenbenehmen, zu armselig waren unsere Funzeln. Heute wollen wir als Verkehrsteilnehmer ernst genommen werden und sollten uns bitteschön selbst entsprechend verantwortungsvoll verhalten. Der hellste Punkt des Lichtkegels liegt maximal zehn Meter vor dem Rad auf der Straße. Das ist doch gar nicht so schwer?

Und jetzt noch schnell dieses Video schauen und den Beitrag verbreiten, damit Fahrradlichter die Straße ausleuchten und nicht den entgegenkommenden Verkehr blenden.

YouTube

Mit dem Laden des Videos akzeptieren Sie die Datenschutzerklärung von YouTube.
Mehr erfahren

Video laden

11 Antworten auf „Wo gucken die Leute eigentlich hin beim Radfahren?“

Da steckt mehr dahinter;
es ist längst ein Wettrüsten wer am Hellsten leuchtet, bei Autos mit Laser und Xenonlicht und bei uns Radlern mit LED´s aller Art…
Wenn du ein wenig suchst wirst du finden das sich Augenärzte bereits Sorgen um die Folgen dieses Wettrüstens machen…

Bei E-Bike Scheinwerfern geht es bereits bis 150LUX.

Was ich unverständlich finde: die teilweise unverschämt schlechten Lichthalterungen bei Fahrrädern, ein paar Unebenheiten (solls ja geben) und deine Einstellung ist beim Teufel. Muss man wieder Nachrüsten, war bei meinem 100Lux Lämpchen auch so….

Autos haben eine vorgeschriebene Leuchtweitenregulierung…

Aber bislang gillt, besser blenden als gar kein Licht -.-

Gedankenlosigkeit, und Unverständnis der eigenen Wirkung auf andere Menschen.

Meine Ex und ich hatten die 80/20% Regel. 80% aller Menschen existieren nur vor sich hin und halten auf, die restlichen 20% sorgen dafür das sich die Welt überhaupt weiterdreht. Ohne die 80% wären wir wahrscheinlich schon auf dem Mars.

Die Sache ist das jeder Mensch auch mal zu den 80% gehört, manche mehr, manche weniger.

„Der hellste Punkt des Lichtkegels liegt maximal zehn Meter vor dem Rad auf der Straße.“

Diese Auslegung des alten §67 StVZO (bis 01.06.2017 gültig) war schon immer Unfug. Die Formulierung lautete:

„Der Lichtkegel muss mindestens so geneigt sein, dass seine Mitte in 5 m Entfernung vor dem Scheinwerfer nur halb so hoch liegt wie bei seinem Austritt aus dem Scheinwerfer.“

Mitte, nicht hellster Teil. Und ja, das ist ein relevanter Unterschied, weil der hellste Teil des Lichtkegels eines Fahrradscheinwerfers unmittelbar oben vor der Blendkannte ist, nicht in der Mitte. Ausschlaggebend für die Einstellung war aber nunmal die Mitte.

Nach altem Verordnungstext war es also unter Umständen durchaus zulässig, den Gegenverkehr mit dem Fahrradscheinwerfer zu blenden, was einem recht schnell klar wird, wenn man sich die Geometrie zum Verordnungstext näher vergegenwärtigt.

Erst die seit 01.06.2017 gültige StVZO hebt diese Problematik auf, denn nun heißt es:

„Der Scheinwerfer muss so eingestellt sein, dass er andere Verkehrsteilnehmer nicht blendet.“

Um das zu erfüllen, muß bei einem auf ebenem und waagerechten Untergrund stehenden Fahrrad die Blendkante des Scheinwerferlichtkegels unter Horizonthöhe sein. Und das genügt auch völlig, um den Gegenverkehr nicht zu blenden. Die 10m wären in aller Regel für die Geschwindikeit der meisten Fahrradfahrer zu knapp bemessen.

Mindestens genauso schlimm wie die „Blender“ finde ich die „Blinker“. Diese Blinkelichter machen mich nervös und lenken mich ab. Verboten sind sie auch.

Lieber Daniel!
Du hast durchaus Recht damit ,das man seine Mitmenschen nicht blenden soll .Aber : 10 Meter sind definitiv zu wenig ….es sei denn ich fahre Schrittgeschwindigkeit.

„Wo gucken die Leute eigentlich hin beim Radfahren?“
Wenns nur beim Radfahren wäre. Ich erlebe es immer wieder, das mir andere Verkehrsteilnehmer begegnen (und das ist unabhängig davon, wie die unterwegs sind) die nicht im mindesten mitbekommen, was um sie rum los ist. Wer sich im öffentlichen Raum bewegt, muss nunmal damit rechnen, das ausser ihm auch andere Menschen irgendwohin wollen und man sich infolgedessen begegnet. Damit das ganze funktioniert, und jeder sicher und wohlbehalten sein Ziel erreicht, ist es nunmal nötig, das jeder einzelne seinen Beitrag leistet und den Verkehr um sich herum wahrnimmt sowie sein Verhalten an die aktuelle Situation anpasst. Manche Zeitgenossen sind dazu überhaupt nicht in der Lage. Da wünscht man sich, das die einfach daheim bleiben und ihren Hintern nicht aus der Wohnung bewegen.

Gestern abend bin ich auf 4 km dreimal geblendet worden! Allerdings waren es alles Autofahrer, die mitten in der Stadt, auf Nebenstraßen, Stadionbeleuchtung eingeschaltet hatten. Man sollte den Appell also nicht nur an die Fahrradfahrer richten.

Das Vorgehen zum Einstellen des Scheinwerfers im Video ist unnötig kompliziert. Das geht einfacher: man stellt sich vor einer Wand auf, und wenn die Hell-Dunkel-Grenze beim Annähern an die Wand steigt, ist für den Gegenverkehr alles ok. Funktioniert ganz ohne Klebestreifen.

Ich stelle unter Beachtung obigen Verfahrens meine(n) Scheinwerfer möglichst hoch ein. Neben den Blendern gibt es nämlich noch eine weitere Gruppe, die zwar nicht so unangenehm auffällt, aber auch nicht besonders schlau ist, weil sie nur ihr eigenes Vorderrad anleuchtet.

WO GUCKEN DIE PLANER EIGENTLICH HIN BEIM RADWEGBAU?

Linksseitige benutzungspflichtige Radwege sind gerade außerort der Stand der Dinge.
Oft noch tiefergelegt sorgen sie zuverlässig dafür, dass BrillenträterInnen im Dunkelnn – bedingt durch das asymmetrische Abblendlicht der Autos – bei Regen keine Chance haben mit notwendigem Sichtkontakt zum Boden unterwegs zu sein.
Alleinunfälle und/oder Kollisionen mit Menschen, herumliegenden Gegenständen, Tieren ohne Aktivbeleuchtung, etc. sind da durch eigenes Verhalten nicht zu vermeiden, sondern vom bloßen Zufall abhängig.

Eine Verkehrsinfratruktur, die keine gesicherte Nutzung 24/7/365 ermöglicht funktioniert nicht als Alternative zum Auto, sondern als Ergänzung ohne Reduktion der Vorhaltenotwendigkeit eines (oder mehrerer) Autos.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert