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54 x 13

54 X 13 ist ein ungewöhnliches Buch aus dem egoth-Verlag, in dem zwar am Rande die Organisation einer Radsportmannschaft bei der Tour de France ebenso beschrieben wird wie der Ablauf einer Etappe. Vor allen Dingen wird aber aus der Sicht eines Ich-Erzählers die Gedankenwelt eines Rennradfahrers über die Länge einer gesamten Etappe anschaulich gemacht, in der dieser Fahrer sich über die Teamorder hinwegsetzt und einen Ausreißversuch startet

Ein Gastbeitrag von Andreas Lenzing aus Osnabrück

54 X 13 ist ein ungewöhnliches Buch aus dem egoth Verlag, in dem zwar am Rande die Organisation einer Radsportmannschaft bei der Tour de France ebenso beschrieben wird wie der Ablauf einer Etappe. Vor allen Dingen wird aber aus der Sicht eines Ich-Erzählers die Gedankenwelt eines Rennradfahrers über die Länge einer gesamten Etappe anschaulich gemacht, in der dieser Fahrer sich über die Teamorder hinwegsetzt und einen Ausreißversuch startet.

Zunächst fällt auf, dass dieses Buch im Format eines Taschenbuchs produziert ist, aber als Hardcover mit einer sehr aufwendigen Bindung, hochwertigem Papier und feiner, angenehm lesbarer Druckqualität hervorsticht. Es ist nicht sehr umfangreich, die Story wird auf rund 75 Seiten ausgebreitet. Dabei wird der Erzählstrang aufgelockert durch verschiedene eingestreute “Wegmüller´sche Gebote“, einen Ehrenkodex für Rennradfahrer, der dem schweizerischen Fahrer Thomas Wegmüller zugeschrieben wird.

Vier Stunden aus dem Leben eines Tour-de-France-Neulings. Ein spannender und makabrer Roman – Gänsehaut bis zum Zielstrich. Ein Roman noir halt.

Die Innenansicht des Fahrers während seiner Etappe wird mit sprachlich interessanten Mitteln veranschaulicht. So wird die Zeilenlänge variiert, um mit langen Zeilen über die gesamte Breite der Druckseite die Abschnitte des Rennens zu beschreiben, in denen das Feld mit geringer körperlicher Anstrengung rollt. Je höher die vom Fahrer geforderte Leistung wird, desto kürzer werden auch die Zeilen, bis schließlich auf dem Gipfel der Flucht vor dem Peloton nur noch kurzatmiges
Ma-ma
Pa-pa
Ma-ma
zu lesen ist. Dieses Stilmittel erzeugt eine zusätzliche, nonverbale Ebene, die das jeweilige Leistungsniveau im Verlauf der Etappe erfahrbar macht.

Aber auch der Inhalt vermittelt verschiedene, sich im Verlaufe der Etappe verändernde Aspekte der Gedankenwelt, die den Fahrer über die Zeit beschäftigt. Während er sich anfangs noch mit den Herausforderungen für das Team beschäftigt, mit den Fragen, wie er dem Team dienlich sein kann und wie sich seine Position im Team darstellt, wird im weiteren Verlauf beim Ausreißversuch deutlich, dass egoistische Motive in den Vordergrund treten können und die Teamorder angesichts des greifbar scheinenden Einzelerfolgs an Bedeutung verliert.

Der Verlag bezeichnet dieses Buch als Thriller, und in der Tat ist es spannende Lektüre, wenn auch kein Krimi. Man kann es etappenweise lesen, oder auch in einem Rutsch. Auf jeden Fall nimmt man dieses Buch wegen der hochwertigen und ansehnlichen Aufmachung, aber auch wegen des Inhalts gerne noch ein zweites Mal in die Hand.

54×13 – Die Tour de France
nach Jean-Bernard Pouy
Übersetzung: Stefan Rodecurt
Hardcover, 80 Seiten
egoth Verlag
Juni 2017

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