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Radverkehr

Handelsverband Unterfranken fürchtet Radverkehrsförderung

Jetzt also auch in Aschaffenburg. Was in dem Artikel „Zu viel Radweg-Ausbau? – Aschaffenburger Händler wollen bei Verkehrsplanung mitreden“ auf main-netz.de angesprochen wird, kommt mir aus anderen Städten sehr bekannt vor. Und wir hatten es hier im Blog auch schon am Beispiel Oldenburgs. Es geht um die Förderung des Radverkehrs und die Angst des Handels, dadurch von der Außenwelt abgeschnitten zu werden. Konkret um den Rückbau einer Straße von zwei auf eine Fahrspur, um Platz für den Radverkehr zu schaffen.

Konkret argumentiert der Handelsverband Bayern (Bezirk Unterfranken) mit dem hohen Anteil an Kunden, die mit dem PKW kommen (60 Prozent), den vielen Einkaufscentern „auf der grünen Wiese“ im Rhein-Main-Gebiet, die eine große Konkurrenz darstellten und dem Online-Handel. Um da konkurrieren zu können, müssen man für den PKW-Verkehr aus dem Umland sehr gut erreichbar sein.

Innenstädte müssen nicht nur für PKW gut erreichbar sein.

Das ist sicher nicht falsch. Aber diese einseitige Argumentation ist längst überholt. Städte und Handelsverbände, die so argumentieren, wollen das Einkaufscenter der grünen Wiese einfach in die Innenstadt verpflanzen. Sie wollen nicht besser sein, sie wollen gleich sein. So bindet man dann zwar die Kundinnen und Kunden im direkten Umfeld an sich. Warum aber sollen Menschen aus dem Umland dann in die Stadt kommen, wo sie dasselbe vorfinden, wie auf der für sie immer schneller erreichbaren grünen Wiese? Und warum sollen Bewohner anderer Städte kommen, wenn sie doch nur ein Einkaufscenter vorfinden, das dem ihrer Stadt zum Verwechseln ähnlich ist?

Vielmehr sollten Städte und Handel sich Konzepte überlegen, wie man Menschen in die Stadt zieht und nicht nur in die Geschäfte. Denn wenn die Innenstadt über einen echten Aufenthaltscharakter verfügt und sich Menschen dort gern und lange aufhalten – lieber noch als in anderen Städten –, dann werden sie ganz automatisch zu Kundinnen und Kunden.

Und dann sollte sich Aschaffenburg vielleicht fragen, warum so viele Kunden mit dem Auto kommen und der Radverkehrsanteil nur bei 10 Prozent liegt. Wenn die Innenstadt nämlich komfortabel mit dem Fahrrad – und natürlich auch mit dem ÖPNV – erreichbar ist und man auch gern dort hinfährt, dann verzichtet man vielleicht sogar auf die eine oder andere Online-Bestellung.

Kommen, kaufen, gehen – alles möglichst schnell!

Das Leitbild des Handels ist aber immer noch: Wie bekomme ich den Kunden schnell in den Laden, fülle seinen Einkaufswagen maximal und wie werde ich ihn dann schnell wieder los, um Platz für den nächsten zu schaffen?

So bindet man Kunden aber nicht langfristig. Wenn der Einkauf nur noch zur Pflicht wird, dann lässt man sich bald alles direkt nach Hause kommen. Denn da hält man sich ja in der Regel gerne auf. Erkannt hat das der Handel in Aschaffenburg eigentlich. Man müsse dem Kunden ein Einkaufserlebnis bieten, so ein Handelsvertreter. „Dies beginne mit der Anfahrt und der Frage nach den Parkplätzen.“ Das möchte ich aber stark bezweifeln. Wie soll man die Anfahrt mit einem PKW denn als Erlebnis gestalten? Alles was die Anfahrt sein soll, ist reibungslos. Und das hängt nicht von der Anzahl der Fahrstreifen ab – wohl auch nicht in der Weißenburger Straße.

In Osnabrück ist es übrigens ähnlich. Dass die Stadt ein Einkaufscenter mitten in der Innenstadt bekommt, lässt sich leider nicht mehr verhindern. Zur Debatte steht aber die dauerhafte Sperrung der Durchgangsstraße durch die Osnabrücker Innenstadt (Neumarkt) für den motorisierten Individualverkehr. Bis vor kurzem verliefen hier noch vier Spuren, zurzeit ist der Neumarkt wegen Bauarbeiten aber schon mal probeweise gesperrt. Nur Busse und RadfahrerInnen dürfen hier durch.

Wie sehr gefährden eigentlich Straßen, die es nie gegeben hat, das Geschäft?

Und wieder ist es der Handel, der sein Geschäft in Gefahr sieht. Allen voran ein großes Osnabrücker Modehaus, das die Auslastung seines Parkhauses gefährdet sieht – und damit seine Umsätze. Als ob nur Kunden aus dem eigenen Parkhaus den Weg in die Filiale finden… Dabei wissen die Betreiber ganz genau, dass man die potenziellen Kunden umgarnen muss. Nicht umsonst hat es mit eigenen Cafés und Restaurants Orte, an denen sich Menschen länger aufhalten. Da müsste der Handel dann einfach mal etwas größer denken als nur in den eigenen vier Wänden. Man könnte und würde voneinander profitieren. Und pleite ist durch die provisorische Neumarkt-Sperrung auch noch kein Geschäft.

In anderen Städten wiederum werden Tempo-30-Zonen, die zur Sicherheit des Radverkehrs geplant werden, vom Handel oft als geschäftsschädigend empfunden. Die Wahrheit ist meistens, dass auf den betreffenden Straßen zu den Geschäftszeiten sowieso kaum schneller gefahren werden kann. Die Geschwindigkeitsbegrenzung hilft Radfahrerinnen und Radfahrern aber in verkehrsarmen Zeiten, sicher im Verkehr mitzuradeln.

Wie gesagt, der Handel sollte keine Angst vorm Radverkehr haben, er sollte sich freuen. Er profitiert enorm! Und wenn das Stadtklima stimmt, dann kommen die Kunden schon – egal womit.

Quelle Teaserbild: Stadt Aschaffenburg

2 Antworten auf „Handelsverband Unterfranken fürchtet Radverkehrsförderung“

In Bremen haben wir das gleiche Problem. Die Handelskammer lässt keine Möglichleit aus, um auf die angebliche Bedrohumg des Einzelhandels durch verkehrsberuhigende Maßnahmen hinzuweisen.

wieso erinnert mich das alles an die kleinen, lustigen Geschichten aus dem reizenden Städchen Schildau (oder Schilda, wenn Sie möchten)?
Die schlechte Nachricht ist allerdings, dass die Bürgerlein damals nicht annährend so viel Schaden anrichten können wie die „Egoisten, Hohlköpfe und Psychopaten“, wie Frau Duve sie nennt, heut zu Tage.
Herr, lass es Hirn regnen und für mich einen halben Tropfen Optimismus…..

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