Weil es nach einem meiner Tweets zu Missverständnissen gekommen ist, hier noch mal etwas ausführlicher. Die Bundesregierung denkt über einen fahrscheinlosen – nicht kostenlosen – Nahverkehr nach, um Fahrverbote für Diesel zu verhindern. Das hat sie der EU mitgeteilt, die ja offensichtlich Druck macht, damit Deutschland die Grenzwerte auf den Straßen endlich einhält. Dazu hatte ich geschrieben:

Das wiederum kam bei einigen Followern so an, als wäre ich gegen einen günstigeren, bzw. fahrscheinlosen ÖPNV. Das ist aber nicht der Fall. Ganz im Gegenteil. Ich halte den fahrscheinlosen ÖPNV für ein soziales Instrument. Es geht dabei um Teilhabe, um Mobilität für alle. Und das wäre sehr wünschenswert. (Ob wirklich fahrscheinlos die beste Variante ist, muss noch geklärt werden. Weil „was nichts kostet, ist auch nichts wert“ in den Köpfen steckt.)

Für die Bundesregierung ist es an dieser Stelle aber lediglich ein weiterer Versuch, Fahrverbote zu verhindern und den Autoverkehr, der ja immer noch Verursacher der Schadstoffprobleme ist, möglichst unangetastet zu lassen. Und wenn dieser Versuch jetzt auch noch vom Steuerzahler bezahlt wird, dann wird die Autoindustrie schon wieder aus der Verantwortung entlassen. Denn eigentlich ist sie ja die Verursacherin der Probleme und nicht mal „der Autoverkehr“.

Darüber hinaus ist der Vorschlag jetzt ziemlich „übers Knie gebrochen“. Im Koalitionsvertrag kommt die Idee gar nicht vor. Und auch die Städte wussten offenbar gar nicht Bescheid. Positive Folgen würden ohnehin erst langfristig eintreten. Denn momentan hat der ÖPNV gar nicht die Kapazitäten, zu Stoßzeiten entscheidend viele neue Fahrgäste aufzunehmen. Es müssen also neue Waggons und Busse her. E-Busse. Und die sind nicht von heute auf morgen zu bekommen. Und selbst wenn sich der öffentliche Verkehr verdoppeln würde, wären nur 15 Prozent der PKW–Fahrten ersetzt. Darüber hinaus tritt oft der Effekt ein, dass Radfahrer die ersten sind, die umsteigen. Das macht die Luft aber auch nicht sauberer. Und werden dann auf der Straße endlich Kapazitäten frei, weil die ersten Autofahrer umsteigen, lockt das wieder neue Autofahrer an – weil man im Auto ja wieder besser vorankommt und nicht im vollen ÖPNV sitzen muss.

Also: ja, fahrscheinloser oder zumindest deutlich günstigerer Nahverkehr ist eine super Sache. Aber nicht, um die Autoindustrie erneut aus der Verantwortung zu lassen.






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