Techbikers  RGB TransparentEin Gastbeitrag von Harald R. Fortmann

Am ersten Juli-Wochenende machten sich 40 Techbiker wieder auf den Weg – dieses Jahr von Poznan in Polen nach Berlin. Techbiker ist eine Initiative, die 2012 auf dem Google Campus ins Leben gerufen wurde und die es mittlerweile in mehreren Ländern gibt. Hier treffen sich Fahrradebegeisterte aus der Digitalen Wirtschaft einmal im Jahr, um eine Fundraising-Fahrt über rund 400 Kilometer mit dem Rennrad zu unternehmen. Jeder der Teilnehmer hatte das Ziel, mindestens 750 Euro einzusammeln, damit wir ein gemeinsames Ziel von (mindestens) 25.000 Euro erreichen.

Die eingesammelten Spenden gehen in Deutschland zu Gunsten der World Bicycle Relief Organisation – eine NGO, die in eigenen lokalen Fertigungsstätten das Buffalo Bike produziert und dann an Menschen in afrikanischen Ländern verteilt, um diesen zu mehr Mobilität zu verhelfen: hier sind es konkret Kinder, die statt bis zu zwei Stunden zu Fuß zur Schule gehen zu müssen, mit dem Fahrrad fahren können, dadurch wacher und konzentrierter sind und mehr Zeit für die Bildung haben.

Dieses Jahr ging die Reise also in drei Etappen (144 km, 118 km, 126 km) von Poznan über Lubniewice und Bukow nach Berlin. Das Ganze wird in Deutschland von Jan Bechler (Chef Digital Officer bei der Agentur thjnk) in Zusammenarbeit mit Folkert Behrends (aka Foli) und seinem Team von Move-Ment organisiert.

Harald R Fortmann und das Buffalo Bike - Danke an die Spender - Techbikers 2016Da ich üblicherweise „nur“ laufe (zwar nahezu täglich) und mit meinem Electra Beachcruiser 30 Kilometer ins Büro fahre, hatte ich einen Höllenrespekt vor den anstehenden 400 Kilometern im Rennradsattel. Ein Freund hatte mir aber gut zugeredet, dass es machbar sei und letztendlich hat mich der gute Zweck überzeugt.

Am vergangenen Donnerstag ging es dann los. Ich hatte bei Pino-Touren ein frisches Bergamont Dolce TR12 Rennrad ausgeliehen. Wir trafen uns am Berliner Hauptbahnhof, wo die Teilnehmer und das Move-Ment Team einen Bus mit Fahrradanhänger bestiegen, der uns nach Poznan brachte. Schon während der Fahrt lernte man sich kennen und tauschte letzte Tipps aus, wie man noch mehr Spenden einsammeln könnte. Beim Abendessen stellte sich jeder Teilnehmer offiziell vor und es war für mich äußerst beruhigend zu hören, dass auch andere Teilnehmer kein oder wenig Fahrrad fahren und solche Distanzen bislang noch nicht zurückgelegt haben.

Am Freitag ging es dann endlich los – auf die Sattel, letzte Anweisungen und das erste „Go, Go, Go!“ von Foli. Ich erspare euch jetzt die einzelnen Details der Strecke und komme eher zu den Erkenntnissen, die ich gewinnen und beobachten konnte. Wir fuhren im 2er Peloton Rad an Rad. Nach nur wenigen Stunden konnte ich fühlen, dass da nicht 40 Individuen fuhren, sondern ein Team. Jeder passte auf den anderen auf, jeder verließ sich auf den Vorder- und Hintermann und vor allem auf die Befehle und Zeichensprache von Foli, die immer nach hinten durchgegeben wurden.

Die Auto- und LKW-Fahrer in Polen und Deutschland waren in der Mehrzahl sehr kooperativ und wir hatten nur ein, zwei schlechte Erfahrungen in den drei Tagen. Am späten Nachmittag wurden wir nach zwei Snacks und einer Lunchpause am See mit einem traumhaften Hotel mit Strand und wunderschönem See in Lubniewice belohnt. Und es ging nach dem Einchecken auch direkt an den Strand, bevor wir beim Abendessen dann lokale Bier- und Speisespezialitäten testen durften.

Am Samstagmorgen ging es dann nach dem ersten Gruppenfoto wieder in den Sattel. Der untere Rücken schmerzte, von der Partie zwischen den Schulterblättern mag ich gar nicht sprechen und – Autsch! – der Hintern war auch vom Feinsten…

Wieder ging es durch wunderschöne Landschaften vorbei an vielen Storchennestern in Richtung Oder, wo wir die Grenze zu Deutschland überquerten. Snacks und Lunch waren immer reichlich da: Javi (vom Poco Loco auf Lanzarote) bekochte uns die drei Tage vorzüglich und schnibbelte in jeder Pause fleißig das Gemüse um mittags aufzutischen. Während der Fahrt wechselte das Peloton immer wieder, sodass man super Gespräche führen konnte und jeden der Teilnehmer gut kennenlernte. Networking at it´s Best!

Der nächste Abschnitt in Deutschland war leider von Starkregen geprägt. Und obwohl es bergig durch die Märkische Schweiz ging, fuhr das Peloton wieder wie ein eingeschworenes Team. Trotz widriger Straßenbedingungen kamen alle wohlbehalten in Buckow an, wo uns schon wieder ein traumhafter See erwartete. Nach dem Abendessen war der Beamer aufgebaut und wir schauten uns natürlich dann das Spiel (oder den Krimi) Deutschland – Italien an.

Nach dem langen Elfmeterschießen durften wir Sonntag ein wenig ausschlafen bevor es weiterging. Die Ziellinie war bereits greifbar. Der Stolz der Teilnehmer, es bis hierher geschafft zu haben, war groß und jeder war vor der dritten Etappe elektrisiert – stoppen konnte uns hier keiner mehr! „Go, Go, Go!“ und das Team legte wieder los – durch die wunderschönen Landschaften mit ihren Seen und Dörfern in Brandenburg. Nach dem letzten von Javi gezauberten Lunch dann die Überraschung – es gab einheitliche Trikots vom Sponsor Wirecard für alle, um die letzten Kilometer durch Berlin zu fahren. Das Ziel: Brandenburger Tor!

Die Fahrt durch Berlin war euphorisch, einen Tick zu langsam für die grüne Welle, dafür wieder mit dem Kampfruf „Go, Go, Go!“ an jeder Ampel. Einige Berliner stimmten mit ein und erfreuten sich der positiven Energie, die dieses Peloton ausstrahlte.

Und dann war es endlich da. Nach über 400 Kilometern, mittlerweile ohne jeden Schmerz (vermute mein Körper spürte einfach nichts mehr), voller Eindrücke, neuer Freunde und gemeinsam gefeierten Open Ranges (5 Kilometer Strecken, die man immer wieder zwischendurch für volle Fahrt, was auch immer die Beide können, unternimmt) waren wir am Ziel. Große Freude bei allen Teilnehmern, den angereisten Familien und selbst den japanischen Touristen und Velotaxi-Fahrern, die mitfeierten. Natürlich musste jetzt das Zielfoto her – ganz unter dem Motto der Reise „Go, Go, Go!“ und alle lachten und feierten sich für das Foto. Schaut selbst.

Techbikers nach Ankunft Berlin

Über 28.000 Euro, die wir für die bezaubernde Lena und ihren World Bicycle Relief sammeln konnten, waren der Lohn der ganzen Anstrengungen der letzten drei Tage. Nach derzeitigem Stand können 210 Buffalo Bikes hergestellt und an Kinder in Afrika übergeben werden – das haben wir alle gemeinsam geschafft! Dazu gehören auch diejenigen, die nicht dabei waren, die einzelnen Fahrer und die Techbikers 2016 Initiative aber durch kleine und große Spenden unterstützt haben. Jede einzelne so wertvoll und in der Summe unschlagbar. Und es hört noch lange nicht auf – stündlich kommt noch was dazu und ihr könnt euch alle noch beteiligen und über Altruja mir und damit dem Techbikers-Topf eure Spende zukommen lassen. Wir hoffen noch, die 30.000 Euro Grenze knacken zu können.

Lena Kleine-Klamer und Harald R Fortmann - Techbikers 2016Auf der Welcome Grill Party konnte ich dann auch das Buffalo Bike in Augenschein nehmen. Lena hat es dankenswerterweise mitgebracht. Ein sehr schönes Fahrrad, wie ich finde, das hier für nur 134 Euro hergestellt werden kann. Und es sieht nicht nur gut aus, es fährt sich auch toll, wie ich selbst feststellen konnte.

Techbikers 2017 – count on me!

Auch im kommenden Jahr werde ich wieder dabei sein, denn am Montag juckte es mir nur in den Beinen und ich wäre gerne nochmal 150 Kilometer mit der Truppe gefahren. Stattdessen ging es wieder auf meinem Electra Indy entlang der wunderschönen Elbe ins Büro. Wer auch mal einen Event zu Gunsten des World Bicycle Relief veranstalten möchte kann sich an Lena Kleine-Kalmer wenden. Mehr Informationen zu den Techbikers Deutschland gibt es bei Jan Bechler.

Harald R. Fortmann ist Personalberater für Führungskräfte mit ausgewiesener Digitalexpertise in Hamburg und arbeitet seit über zwei Dekaden in der Digitalwirtschaft. Seit 2011 ist er vom Auto aufs Fahrrad umgestiegen. / Fotos: Harald R. Fortmann

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