Nach dem zweiten tödlichen Unfall an der Kreuzung Kommenderiestraße / Johannistorwall hatte die Stadt Sofortmaßnahme zur Sicherheit von Radfahrerinnen und Radfahrern angekündigt. Gestern wurden diese Maßnahmen im Ausschuss für Stadtentwicklung und Umwelt nun vorgestellt. Das „Sofort“ fällt damit schon mal weg…

Erstens sollen die letzten fünf bis sechs Parkplätze am Johannistorwall vor der Kreuzung entfernt werden. Mit einfachen baulichen Mitteln würden die Radfahrer früher an die Fahrbahn herangeführt. Eine absolut sinnvolle Maßnahme, die RadfahrerInnen an dieser Stelle endlich früher sichtbar macht. Ich hatte dies bereits nach dem ersten tödlichen Unfall Anfang März 2014 angemahnt. Warum musste also noch ein Mensch sterben?

Zweitens soll ein Hinweisschild an der Gefahrenstelle aufgestellt werden, das vor den Gefahren des Toten Winkels warnt. So effektiv wie eine geänderte Infrastruktur ist das sicher nicht, aber wenn es gut sichtbar ist und gelesen wird, dann kann es zumindest nicht schade.

Darüber hinaus sollen weitere Maßnahmen geprüft werden:

– ob die Verkehrsführung in der Form geändert werden kann, dass die rechte Fahrspur ausschließlich für Rechtsabbieger verwendet wird und ein eigenes Signal erhält. Geradeausspur und Radfahrer könnten dann zusammen GRÜN erhalten; die Rechtsabbieger hätten in dieser Zeit ROT.

Diese Variante habe ich kürzlich bereits mit dem ADFC besprochen. Sie wäre die beste und würde die anderen Maßnahmen eigentlich überflüssig machen. Die Befürchtung, dass der Geradeausverkehr auf dem Wall dadurch ins Stocken geriete, kann leicht entkräftet werden. Denn auch heute wird die rechte Spur schon überwiegend zum Abbiegen genutzt. Und das auch ziemlich zähflüssig. Denn man muss ja auch sagen, dass die meisten AutofahrerInnen dort auf RadfahrerInnen warten. Insofern würde eine eigene Grünphase für Abbieger den Verkehr noch eher beschleunigen.

– den Radius im Einmündungsbereich so zu ändern, dass die LKW weiter ausholen müssen.

Wäre überflüssig, wenn man sich zu vorgenannter Maßnahme durchringen könnte. Und ob der Platz auf der Kreuzung reicht ist auch fraglich. Außerdem würde es die gefährlichen Situationen nicht verhindern.

– den Seitenbereich der Kreuzung von Einbauten zu bereinigen.

Da weiß ich gerade nicht so recht, was gemeint ist…

Zusätzlich soll geprüft werden, ob an bestimmten Kreuzungen das Rechtsabbiegen für LKW verboten werden kann.

Wäre bei einer reinen Rechtsabbiegerspur mit eigenem Grünpfeil überflüssig. Vielmehr sollte man überlegen, ob man nicht die großen LKW komplett aus der Stadt verbannen kann. Einen ersten Schritt hat es hier bereits gegeben. „Auf Anordnung des Oberbürgermeisters hat die Verwaltung die Verlegung der B68 aus den Stadtstraßen auf die Autobahnen beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur beantragt.“ Allerdings macht der LKW-Durchgangsverkehr laut noz.de nur einen kleinen Teil aus (15 Prozent). Der überwiegende LKW-Verkehr hat Ziele im Stadtgebiet und ließe sich so zunächst nicht verdrängen. Man müsste diese Maßnahme schon auf ein Verbot großer LKW im Stadtgebiet erweitern. Was im Übrigen nicht nur dem Radverkehr zugute käme…

Da das aber nicht so schnell umzusetzen ist, sollen einige Kreuzungen mit Spiegeln versehen werden:

Konfliktträchtige Kreuzungen, bei denen Gefahren für Radfahrer durch rechtsabbiegende Lkw entstehen, gibt es an weiteren Stellen am Wallring, aber auch an anderen Hauptstraßen. Eine Verbesserung der Wahrnehmung von Radfahrern durch Lkw-Fahrer kann durch die Installation von Spiegeln an den Ampeln geschehen. Im ersten Schritt sollen die konfliktträchtigen Kreuzungen am Wall in den nächsten Wochen damit versehen werden.

Das Problem dabei ist nur, dass die besagte Kreuzung bereits einen solchen Spiegel hat. Auch er konnte einen weiteren tödlichen Unfall nicht verhindern. Es ist also wirklich nur ein Versuch. Hoffen wir mal, dass er wenigstens den einen oder anderen weiteren Unfall verhindert hat. Diese Fälle werden ja leider selten erfasst…

Und typisch, ein bisschen victim blaming soll es auch geben:

Zur Sensibilisierung der Radfahrer für die Gefahren des Toten Winkels ist ein Hinweisschild entwickelt worden, das schnellstmöglich aufgestellt werden soll, ebenso sollen Aufkleber an Bussen und Lkw eingesetzt werden. Dazu werden die in Osnabrück ansässigen Speditionen angesprochen.

Und nachher heißt es dann wieder „der Radfahrer hatte den Warnhinweis nicht beachtet“ statt „der LKW-Fahrer hat nicht auf den Radverkehr geachtet“.

Es sind jetzt zumindest einige Maßnahmen benannt. Die eine (rechte Spur als reine Abbiegerspur) würde alle anderen überflüssig machen und wäre auch eine Möglichkeit für einige andere Kreuzungen in Osnabrück. Ich bin mir aber sehr unsicher, ob die Stadt diese wirklich umsetzen wird. Statt der einen wirklich effektiven wird es wohl die eine oder anderen kleinere Maßnahme geben, die sich nicht so sehr nach Einschränkungen für den motorisierten Verkehr anhört. Mich würde mal interessieren, wer in der Verwaltung wirklich das Sagen hat und hier lebensrettende Maßnahmen verhindert. Denn davon kann man, zumindest an dieser Kreuzung, mittlerweile reden!

Vielleicht erfährt man ja heute auf der verkehrspolitischen Radtour des ADFC mehr. Wer will, kann gerne mitfahren.

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