Wenn es ums Fahrrad geht, werden oft Vergleiche gezogen zwischen Niedersachsen und den Niederlanden. Gemeint ist damit in erster Linie die Topographie. Denn viel mehr Gemeinsamkeiten gibt es eigentlich auch nicht. In den Niederlanden wird sehr viel getan für den Radverkehr. Viele Innovationen stammen ursprünglich von unseren westlichen Nachbarn.

In Niedersachsen dagegen beschäftigt sich das zuständige Ministerium mit dem Thema Radverkehr nur ganz am Rande. Dabei wirbt es auf seiner Homepage doch mit dem Slogan “Fahrradland Niedersachsen”. Aber wo bitte sind die großen Projekte, die Niedersachsen zum Fahrradland machen? Wo sind die Radschnellwege, die Radfahrer sicher in die Zentren der großen Städte führen? Allein die Topographie macht dieses Bundesland nicht zum Fahrradland!

Es gibt einen gut gemeinten Runden Tisch Radverkehr, in dem immerhin sechs Ministerien vertreten sind. Insgesamt nehmen 15 Institutionen an diesem Runden Tisch teil. Das letzte dokumentierten Treffen fand am 25. April 2012 statt. Und wenn man sich das Protokoll anschaut, dann kommt man wirklich ins Grübeln, ob dieser Runde Tisch ein ernsthaftes Organ ist, den Radverkehr im Alltag zu fördern! Themen dieses letzten Treffens waren:
– Gestattungsverträge für Radwanderwege
– Planung und Ausweisung von Radwegen im Wald

Wandern und Wald also. Drückt da der Schuh am meisten? Sind das die Bereiche, auf denen uns die Niederlande so weit voraus sind? Natürlich sind das Fragen, die auch geklärt werden müssen. Aber solange wir in Niedersachsen nicht sicher und zügig auf adäquaten Radwegen in und durch unsere Städte kommen, braucht man keine neuen Radwege durch Wälder planen und sich auch noch große Gedanken um deren Ausweisung machen!

Aber was will man auch von einem FDP-Minister erwarten, der für den Radverkehr zuständig ist, wenn dieser kleine Bereich dem großen gelben Wirtschaftsministerium angegliedert ist?! Insofern kann man nur hoffen, dass es bei der Landtagswahl zu einem Regierungswechsel kommt und neue Parteien mit einem ernsthaften Sinn für das Fahrrad als Verkehrsmittel die Konzeption übernehmen. Konkrete Maßnahmen für den Radverkehr haben zumindest Bündnis 90/DIE GRÜNEN in ihrem Wahlprogramm festgehalten. (Mehr im Artikel Das Fahrrad im Wahlprogramm?)

Und wenn wir so weit sind und wenn beim Runden Tisch Radverkehr alltägliche Probleme der Radfahrer besprochen werden und nach Lösungen gesucht wird, dann können wir auch wieder darüber nachdenken, Niedersachsen ein Fahrradland zu nennen! Denn wenn ich heute aus dem Fenster schaue, sehe ich lediglich eine der autofahrerfreundlichsten Städte Deutschlands (Osnabrück)!

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