Cover CleijneEin Gastbeitrag von Andreas Lenzing aus Osnabrück

Pünktlich zur Tour de France möchte ich euch ein wirklich gelungenes Lesevergnügen empfehlen: unmöglich ist kein französisches wort“ von Jan Cleijne. Es handelt sich dabei nicht um eines der Bücher, die auf x Seiten die bekannte Geschichte der Tour wiedergeben, sondern um eine Graphic Novel zu diesem Thema.

Die Darstellung in detailverliebten Zeichnungen, die nicht nur die unverwechselbaren Typen, sondern auch ihre Räder und die äußeren Umstände der Touren aus verschiedenen Jahren anschaulich darstellen, beginnend mit der ersten Tour von 1903 bis zur Veranstaltung von 2005 orientiert sich dabei an den historischen Fakten. Was das Werk aber einzigartig macht, ist die grafische Umsetzung. Hier werden über die gut 100 Jahre der Tour hinweg Darstellungen im jeweils zeitgenössischen Stil gewählt, beginnend mit Illustrationen in Form von körnigen und streifigen Schwarzweißbildern aus den Anfangsjahren, über polaroidartig verblichene Farbfotos der 1950er und 60er Jahre bis hinzu modern anmutenden Zeichnungen, die die 1990er und 2000er Jahre darstellen. Dabei sind die Zeichnungen nicht fotorealistisch, sondern vielmehr karikaturartig verfremdet, sodass sich die prägnanten Merkmale der Fahrer, ihrer Räder und des Umfeldes erkennen lassen. Viele Fahrergesichter, die man auf Fotos schon irgendwo gesehen hat, erkennt man wieder.

Als Leser kann man sich aber auch in die Atmosphäre der Rennen und der Etappen hineinversetzen. So wird nachvollziehbar, wie in den Pionierjahren das Rennen mit extrem langen Etappen bei widrigen Bedingungen und mit aus heutiger Sicht rudimentären Rädern unfassbar schwer gewesen sein muss. Ebenso wird dargestellt, wie unterschiedliche Fahrerpersönlichkeiten die Tour geprägt haben, von zurückhaltenden und sensiblen Fahrern bis hinzu rücksichtslosen Egoisten, die die für den Radsport so verhängnisvolle Dopingphase geprägt haben – allen voran Lance Armstrong.

Das Buch macht die Geschichte der Tour de France auf besonders eindrucksvolle Weise „erfahrbar“, weil man sich als Leser durch die Illustrationen wirklich gut in die verschiedenen Situationen hineinversetzen kann. Es wird sicher nicht dabei bleiben, dieses wunderbare Buch einmal zu lesen und es dann im Bücherschrank verschwinden zu lassen.

Und ein kleiner Tipp: Es lohnt sich, beim Lesen dieser Graphic Novel einen Bildband daneben zu legen, der die in den dargestellten Jahren eingesetzten Räder veranschaulicht. Zum Beispiel das Werk „Les Vélos Mythiques“ von Blanc et al., erschienen in französischer Sprache bei Éditions Michel Lafon (2003).


unmöglich ist kein französisches wort“
Jan Cleijne
144 Seiten, Taschenbuch
Covadonga Verlag
Mai 2013

Eine Leseprobe gibt es hier.

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