Wer heute durch eine beliebige Stadt schlendert, kommt an ihnen kaum vorbei: Poller, wohin das Auge reicht. Sie sind DAS Symbol für den Kampf gegen die Vorherrschaft des Autos in unseren Städten – und oft die letzte Hoffnung für Fußgänger*innen und Radfahrende.

Diese Pfosten aus Metall, Holz oder Beton, die Fußgängerwege, Radspuren oder Plätze vor Autos schützen sollen, sind nicht etwa ein Zeichen besonders ambitionierter Stadtgestaltung – sie sind ein Eingeständnis des Scheiterns. Denn wo man mit Farbe, Schildern und Bordsteinen nicht mehr weiterkommt, helfen nur noch Poller. Sie existieren nur, weil Autofahrer sich massenhaft nicht an Verkehrsregeln halten. Städte sind voll von Falschparkern, die sich auf Gehwegen, an Kreuzungen oder in Grünanlagen breitmachen, weil sie darauf vertrauen, dass sie ohnehin nicht erwischt oder nur mit einer lächerlich geringen Strafe belegt werden. Ein Strafzettel im Jahr ist deutlich günstiger als die Miete für einen Stellplatz – der dann nicht mal vor der eigenen Haustür ist.

Die Ordnungsämter, die für den ruhenden Verkehr zuständig sind, kommen längst nicht mehr hinterher. Es gibt schlicht zu wenig Personal, um Verstöße konsequent und vor allem unmittelbar zu ahnden. Also greift man zur letztinstanzlichen Maßnahme: physische Barrieren. Ein Poller kann nicht diskutieren, ein Poller kann nicht nachsichtig sein, ein Poller hat keinen Feierabend und kein Wochenende – er steht einfach da und verhindert, dass Autos Flächen vereinnahmen, die nicht für sie bestimmt sind.

Natürlich sind Poller kein ästhetischer Gewinn für die Stadt. Niemand würde behaupten, dass sie Plätze verschönern oder Straßen freundlicher wirken lassen. Und gut für die Stadtkassen, ergo die Steuerzahler*innen, sind sie obendrein nicht. Doch angesichts der Ignoranz vieler Autofahrer bleibt keine andere Wahl, um Gehwege, Radwege und Grünflächen freizuhalten. Poller sind und bleiben das traurige Symbol der autogerechten Stadt.