Aus aktuellem Anlass kurze Gedanken zum Verhältnis von Radfahrenden und zu Fuß Gehenden. Ich erkenne mich übrigens in beiden wieder. Habt ihr auch das Gefühl, dass man die Fahrradklingel eigentlich nicht richtig benutzen kann? Entweder man klingelt und wird als übergriffiger Radfahrer wahrgenommen, der sich ohne Rücksicht auf Verluste den Weg freiklingelt. Egal, ob man dabei verbotenerweise auf dem Gehweg fährt oder die Fußgänger den Radweg blockieren.

Oder man klingelt nicht, weil man auch so noch gerade eben vorbeikommt, ist dann aber der rücksichtslose Drängler, der nicht mal klingeln kann und die Fußgänger zu Tode erschreckt.

Wie man es macht, macht man es falsch. Bei mir geht es inzwischen soweit, dass ich als Jogger vorsichtig „Klingel, klingel“ rufe, wenn ich an Spaziergängern vorbei möchte. Das wird in der Regel mit einem Schmunzeln aufgenommen, während man mir kurz Platz macht. Vielleicht ist das ja auch eine Lösung fürs Fahrrad? Ein vorsichtiger, fast schüchterner „Klingel, klingel“-Ruf könnte für Entspannung sorgen, wenn kein Augenkontakt besteht.

Apropos Augenkontakt: Der beste Kommunkationsweg im Straßenverkehr. Er ermöglicht nämlich das herrliche Verhältnis zwischen Radfahrenden und zu Fußgehenden, das zwischen keinen anderen Verkehrsteilnehmern möglich ist. Sie können die erbittertsten Gegner sein. Sind mit einem kurzen Blickkontakt aber eigentlich die besten Freunde.

Man ist als Radfahrer zügig unterwegs und will gerade am Zebrastreifen bremsen. Kurzer Augenkontakt mit einem Fußgänger, eine kaum wahrnehmbare Geste mit dem Kopf zeigt an, dass man seinen Schwung nicht verlieren soll und es doch locker vorm Fußgänger schafft. Ist mir gerade gestern wieder passiert. Schönes Miteinander, das keinem wehtut.

Auch umgekehrt. Ein Fußgänger steht zögernd am Fahrbahnrand. Gegen Autos hat er keine Chance, die haben eingebaute Vorfahrt. Mir bricht aber kein Zacken aus der Krone. Kurzer Augenkontakt, knappes Nicken kombiniert mit einem kleinen Lächeln und der Fußgänger erkennt, dass da Platz für ihn ist.

Einzelfälle, ich weiß. Aber sie machen den Straßenverkehr stellenweise sehr angenehm. Es sind die kleinen Dinge…