„Wanted! Erkennungszeichen: Giftgrün, emissionsfrei, Cabrio. Zuletzt gesehen in einem Hausflur in Berlin-Kreuzberg.“ Erst im Oktober ist es Cem Özdemir passiert – und er ist bei weitem nicht das einzige Opfer. Durchschnittlich alle zwei Minuten wird in Deutschland ein Fahrrad geklaut, etwa 900 Fahrräder sind es jeden Tag. Wenn der geliebte Drahtesel plötzlich weg ist, ist das nicht nur ärgerlich, weil man nicht mehr auf die gewohnte Weise von A nach B kommt. Meist haben die Drahtesel für ihre Besitzer auch einen ideellen Wert. Besonders bitter: Die Chance, dass die Polizei die Täter fasst, ist verschwindend gering. Umso wichtiger ist es, Präventionsmaßnahmen zu ergreifen.

Zufallsfund in Osnabrück: Lager voller mutmaßlich gestohlener Räder entdeckt

Auch wenn die Zahl registrierter Fahrraddiebstähle deutschlandweit zurückgegangen ist: Die Aufklärungsquote der Polizei hat den niedrigsten Wert der letzten zehn Jahre erreicht. Aktuell liegt sie bei nur 8,8 Prozent.

So war es auch eher ein Zufall, dass Osnabrücker Beamte kürzlich gleich ein ganzes Lagerhaus voller Zweiräder gefunden haben: Eigentlich hatte die Polizei den Dieb nur wegen eines gestohlenen Handys im Visier. Anfragen zu den 63 sichergestellten Fahrrädern nehmen die Ermittler unter den Telefonnummern 0541/327-3255 und 327-3256 entgegen. Die Dunkelziffer bleibt trotz solcher glücklichen Funde jedoch hoch: Längst nicht alle Diebstähle werden der Polizei gemeldet, viele Besitzer sind nicht versichert oder wissen nicht, wo sie die Rahmennummer finden. Insbesondere für Menschen, die ein teures Mountainbike besitzen, es als Hauptverkehrsmittel nutzen und es nicht in einem Kellerraum abschließen können, zahlt sich eine Versicherung aus. Je nach Vertrag greift im Falle eines Diebstahls die Hausratversicherung oder eine spezielle Fahrradversicherung mit Vollkaskoschutz. Wann welche dieser beiden Versicherungen sinnvoll ist, darüber können sich Fahrradbesitzer in diesem Ratgeberbeitrag informieren.

Maßnahmen und Empfehlungen der Polizei: Schlösser, Fahrradpass-App und GPS

Dass Fahrraddiebstahl zum Volkssport geworden ist, liegt zum einen an minderwertigen Schlössern, die innerhalb von Minuten geknackt werden können, zum anderen kommt die Polizei bei der Strafverfolgung nicht hinterher: Es fehlt an Personal; zudem gestalten sich die Ermittlungen – insbesondere bei nicht versicherten Rädern – schwierig. Dass es besser geht, zeigte die Soko Herkules, die 2016 in Potsdam ins Leben gerufen wurde: Die Aufklärungsquote stieg von 7 auf fast 24 Prozent. So konnte Hercules – nach der gleichnamigen Fahrradmarke benannt – eine polnische Bande zerschlagen. Was für Fahrradbesitzer in Potsdam ärgerlich sein dürfte: Die Soko wurde nach ihrem Erfolgs bereits wieder aufgelöst. Dafür existiert am Potsdamer Hauptbahnhof nun ein Fahrradparkhaus.

Um Diebe und Hehler besser ausfindig machen zu können, empfiehlt die Polizei in Osnabrück eine kostenlose App, die als Fahrradpass dient: Die Beamten erhoffen sich dadurch, mithilfe der Fahrrad- und Eigentümerdaten Diebstähle zügiger aufklären zu können und bei Kontrollen den rechtmäßigen Besitzer schneller festzustellen.

Die Berliner Beamten empfehlen neben massiven Schlössern auch GPS-Sender: „Ortungstechnik per GPS-Satellitenlokalisation kann eine sinnvolle Ergänzung sein, zumal der Markt hier sehr dynamisch ist und verschiedene Lösungen in allen Preiskategorien anbietet“, teilten die Beamten mit. Einige dieser Geräte können im Fall eines Diebstahls auch stumm Alarm schlagen.

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