Heute ist der Diesel-Gipfel in Berlin, wo Politik und Autokonzerne vermutlich wieder industriefreundliche Maßnähmchen zusammenkungeln, die keinem wirklich wehtun außer den 30 Menschen, die in Deutschland täglich an Stickoxid sterben. Und die kaum etwas ändern, außer dass die Grenzwerte nach einer Software-„Lösung“ vielleicht nur noch um das Dreifache überschritten werden. Es hat sich daher auch Protest gegen diese autozentrierte Politik der Bundesregierung angekündigt.

Sowohl der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) als auch Changing Cities und der Volksentscheid Fahrrad empfangen die Teilnehmer des Diesel-Gipfels mit Aktionen. Der ADFC protestiert mit einem lautstarken „Klingel-In“ gegen die Auto-Fixierung der aktuellen Verkehrsdebatte und für kräftige Investitionen in den Radverkehr – womit sich Staus, Luftbelastung, Lärm, Parkplatz- und Gesundheitsprobleme vermeiden ließen.

ADFC DieselgipfelADFC-Bundesvorstand Ludger Koopmann erinnert im Vorfeld an die wirkliche Zukunftsaufgabe und denkt größer: „Wir brauchen deutlich weniger Autoverkehr in den Städten, nicht besser gelenkten mit anderen Antrieben! Die Hälfte aller Autofahrten in der Stadt sind unter fünf Kilometer, ein Viertel sogar unter zwei Kilometer. Die Menschen fahren mit dem Auto zum Bäcker, weil die Alternativen zu unkomfortabel sind, das ist das Problem!“ Laut ADFC müssten die Alternativen zum Auto so attraktiv gemacht werden, dass sie gerne gewählt werden. „Mit top-ausgebauten Radverkehrsnetzen hätten wir die Chance, jede dritte Stadtfahrt zu einer Radfahrt zu machen.“ Damit ist der Diesel zwar noch nicht sauber, aber der Ausstoß würde sinken. „Jetzt alles daran zu setzen, damit in den am schlimmsten verpesteten Städten noch mehr Autoverkehr irgendwie durchkommt, ist vollkommener Irrsinn“, so Koopmann.

“Diesel vergeht, Fahrrad besteht”: Lebendiges Fahrverbot gegen Dieselstinker für saubere Luft!

Die Leute vom Volksentscheid Fahrrad und Changing Cities werden mit ihrer Aktion etwas praktischer. Sie demonstrieren ab 8:30 Uhr vorm Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur mit einem Slow-Bike-Race als “lebendigem Fahrverbot” gegen die Langsamkeit der Bundesregierung im Kampf gegen die Vergiftung von Stadtbewohnern. 50 – 200 Radfahrer fahren so langsam wie möglich und reduzieren damit den Autoverkehr, so dass giftige Abgase gar nicht erst entstehen können.

Ihre Forderung hat es in sich: sofortige Umwandlung von Autospuren in Radwege, sobald NOx-Grenzwerte überschritten werden. „Das wäre im Gegensatz zu Scheinlösungen wie Softwareupdates gegen die Luftkrise in Städten nachhaltig wirksam.“ Darüber hinaus könnten bauliche Fahrverbote in Form geschützter Radwege in jeder Stadt sofort umgesetzt werden. Radfahren würde attraktiver, Autofahrer stiegen um, die Luftverschmutzung würde kleiner.

Ich werde an dieser Stelle zwischendurch ein paar Eindrücke vom Protest aktualisieren. Schaut also ab und zu rein.

Update

Die Proteste sind offenbar so groß, dass der Diesel-Gipfel spontan vom Verkehrs- ins Innenministerium verlegt wurde. Aber die „Protestler“ sind dank Fahrrädern hochmobil.












Hier Eindrücke von den Protesten am Verkehrsministerium












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