Ich habe ja schon öfter angemerkt, dass mir in Osnabrück ein klares Konzept zur Förderung des Radverkehrs fehlt. Beispielhaft dafür ist eine Fahrt auf dem Wall um die Innenstadt.

Die Fahrt geht los auf einem Radfahrstreifen an der Kreuzung Wall / Martinistraße, der seinen Namen schon bald nicht mehr verdient. Nach 500 Metern geht es dann an der Ecke Schlossstraße auf einen Hochbordradweg. Zwei Querstraßen weiter wird dieser Hochbordradweg dann für ca. 150 Meter hinter parkenden Autos und unter große Bäume geführt, sodass der Radfahrer völlig aus dem Sichtfeld des motorisierten Verkehrs verschwindet. 20 Meter vor der gerade diskutierten und zur Überarbeitung in Auftrag gegebenen Kreuzung an der Kommenderiestraße wird der Hochbordradweg dann hinter einer Hausecke wieder als Radfahrstreifen auf die Fahrbahn geführt.

So geht es eine Weile weiter bis kurz hinter den Niedersachsenplatz. Dort gibt es einen brandneuen Hochbordradweg, der auch noch durch die Wartezone einer Bushaltestelle führt. Vorher war es einheitlicher an dieser Stelle, da gab es noch einen durchgehenden Radfahrstreifen. Auf diesen wird man jetzt nach 100 Metern Hochbordradweg wieder geleitet. Wieder für eine etwas längere Strecke.

Bis zum Goethering in Höhe Hausnummer 13. Da kommt dan die radweggewordene Katastrophe. Der Radfahrstreifen führt hier nämlich gute 100 Meter durch einen „Tunnel“ aus parkenden Autos links und einem Kantstein rechts. Mit Ausweichen ist da nicht viel, wenn sich eine Beifahrertür öffnet. Das sowas überhaupt erlaubt ist…

Goethering Osnabrück (2)

Nun ja, hat man diese 100 Meter geschafft, führt der Radfahrstreifen weiter wie gewohnt – bis kurz hinter das NOZ-Gebäude. Dort geht es dann wieder auf einen Hochbordradweg. Und es wird recht schmal. Vorm Cinema Arthouse kann es da schon mal heikel werden. Hat man diese 200 Meter aber geschafft, geht es wieder zurück auf den Radfahrstreifen. Wer dem Wall folgen will, muss dann zwischen Hasetorbahnhof und Hansastraße zwei Spuren queren damit es links auf dem Wall weitergehen kann – auf einem Radfahrstreifen.

So geht es dann verdächtig lange, über den Rißmüllerplatz hinweg bis kurz hinter die Kreuzung Lotter Straße. Da geht es dann wieder auf einen Hochbordradweg, der etwas abseits der Fahrbahn, neben parkenden Autos verläuft. Nach 300 Metern, kurz vor der Martinistraße, wo wir gestartet sind, geht es dann an der Katharinenstraße aber doch noch mal wieder runter auf einen Radfahrstreifen.

Man sieht also, Klarheit herrscht auf bzw. an dieser wichtigen Ringstraße mitnichten. Jetzt mag der eine oder andere vielleicht sagen, dass es so ja schon seit Jahren ist und es sich nicht einfach ändern lässt. Dem entgegne ich aber mit demselben Argument. Es ist zum Teil sogar schon seit Jahrzehnten so. Zeit, es zu ändern war also ausreichend da. Vor allem um die gefährlichsten Stellen zu entschärfen. Das sind die Kreuzung an der Kommenderiestraße (wurde und wird entschärft [Stand: 12.10.2016]), der „Tunnel“ am Goethering, die Kreuzungen an der Hansastraße und der Lotterstraße, wo Radfahrer die Rechtsabbieger kreuzen müssen, und die Stelle an der Katharinenstraße, wo Radfahrer ähnlich wie an der Kommenderiestraße kurz vor der Kreuzung vom abseitigen Hochbordradweg wieder auf die Fahrbahn geführt werden.

Man kann diese „Radverkehrsführungstour“ jetzt in die verschiedenen Stadtteile fortsetzen und wird immer wieder erkennen, dass es kein durchgängiges Konzept gibt. Zu oft wechseln sich Radfahrstreifen, Schutzstreifen und Hochbordradwege, die mal benutzungspflichtig sind und mal nicht, ab. Gerade am Wall, wo immer mindestens zwei Fahrstreifen pro Richtung und dazu oft ein Parkstreifen vorhanden ist, könnte man durchgehende Radwege bauen, die ihren Namen verdienen. Dafür müsste man aber Flächen neu verteilen…

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