Das ist doch mal eine grandiose Idee! Im brasilianischen Curitiba findet seit 2007 jedes Jahr das Desafio Intermodal statt, ein Rennen, bei dem die Teilnehmer mit verschiedenen Verkehrsmitteln gegeneinander antreten. Fußgänger, Läufer, Rollstuhlfahrer, Radfahrer, Motorräder, Autos und Busse finden sich im Teilnehmerfeld. Alle müssen zur Rushhour die gleiche Strecke zurück legen und dürfen dabei keine Verkehrsregeln missachten. Ziel ist es, herauszufinden wie man in der Stadt am schnellsten unterwegs ist. Allerdings gewinnt nicht unbedingt derjenige, der als erstes im Ziel ist. In die Auswertung kommen neben der Geschwindigkeit auch die beiden Kriterien Umweltverschmutzung und Kosten. Das Ergebnis: Ungeschlagener Champion ist das Fahrrad. Im letzten Jahr zum ersten Mal ein Elektrorad.

Organisiert und finanziert wird das Rennen von der Universität von Paraná. Und es steckt auch ein tieferer Zweck darin. Es soll eine Diskussion über die Fortbewegung in der Stadt angestoßen werden. Gleichzeitig will man das Fahrrad wieder mehr in den Fokus der urbanen Bevölkerung rücken. Für die meisten Brasilianer ist es ein Transportmittel der Armen. Das Auto ist dort immer noch ein riesiges Statussymbol und sein Besitz zeigt, dass man es zu etwas gebracht hat. So hat sich die Anzahl der Autos in Brasilien in den letzten zehn Jahre denn auch verdoppelt. Der Radverkehrsanteil in Curitiba liegt dagegen zurzeit bei nur 3 Prozent.
Der für das Rennprojekt verantwortliche Professor José Belotto sieht die Entwicklung der Fahrradnutzung in der Großstadt Curitiba und in Brasilien im Allgemeinen dennoch sehr positiv: „Wir sind auf einem guten Weg, jedes Jahr benutzen mehr Menschen das Fahrrad.“*
Das zeigen auch Aktionen wie die „Mit dem Fahrrad zu Arbeit“-Initiative von den beiden Organisationen „Rodas da Paz“ (Räder des Friedens) und „Bike Anjo“ (Fahrradengel). Und in der Hauptstadt Brasilía gibt es sogar Freiwillige, die diejenigen, die sich noch nicht alleine mit dem Fahrrad zur Arbeit trauen, begleiten.

Das Desafio Intermodal ist auf jeden Fall eine super Veranstaltung, die es mittlerweile auch in anderen brasilianischen Städten gibt und eigentlich auch etwas für deutschen Großstädte wäre. Allerdings stünde der Gewinner ja praktisch auch schon fest. ;-) Bis wir also selbst bei einem solchen Rennen teilnehmen können, kann man den diesjährigen Wettstreit von Curitiba im August wahrscheinlich komplett live im Internet verfolgen.

Wer noch ein Interview über den Radverkehr in Brasilien lesen will, der klickt einfach hier.

Und hier ist ein kleines making-of des letzten Desafio Intermodals von Curitiba:


Video: Vimeo

*http://www.dw.de/das-rennen-desafio-intermodal/a-16888465